Fallbeispiel: Koronare Herzkrankheit
Fallsituation
Herr Weber ist 68 Jahre alt und lebt mit einer bekannten koronaren Herzkrankheit. Seit mehreren Jahren nimmt er regelmäßig Medikamente gegen Bluthochdruck und erhöhte Cholesterinwerte ein.
Heute begleitet ihn eine Pflegefachkraft auf dem Flur. Bereits nach wenigen Metern bleibt Herr Weber stehen.
Er legt die rechte Hand auf die Brust und sagt:
„Es drückt wieder so stark hinter dem Brustbein.“
Er wirkt blass und leicht kaltschweißig. Gleichzeitig berichtet er über Atemnot.
Erste pflegerische Einschätzung
Jetzt gilt es, ruhig zu bleiben und die Situation systematisch einzuschätzen.
Wichtige Beobachtungen sind:
- Wo genau befinden sich die Schmerzen?
- Seit wann bestehen die Beschwerden?
- Strahlen die Schmerzen aus?
- Wie stark sind die Schmerzen?
- Wie sind Puls, Blutdruck und Sauerstoffsättigung?
- Bestehen Atemnot, Übelkeit oder Schweißausbruch?
Pflegerische Prioritäten
Die wichtigsten Maßnahmen sind:
- körperliche Belastung sofort beenden
- Ruhe vermitteln
- betroffene Person nicht alleine lassen
- Vitalzeichen kontrollieren
- ärztliche Hilfe entsprechend der Situation veranlassen
- Veränderungen kontinuierlich beobachten
- alle Maßnahmen dokumentieren
Klinisches Denken
Brustschmerzen bei einer bekannten koronaren Herzkrankheit dürfen niemals unterschätzt werden.
Auch wenn bereits ähnliche Beschwerden bekannt sind, muss immer an einen akuten Herzinfarkt gedacht werden.
Entscheidend ist nicht die Vermutung, sondern die systematische Einschätzung der Situation.
Typische Prüfungsfragen
- Welche Beobachtungen haben Priorität?
- Welche Maßnahmen leiten Sie zuerst ein?
- Warum darf Herr Weber nicht alleine gelassen werden?
- Welche Warnzeichen sprechen für einen Notfall?
- Warum reicht die Aussage „Das kennt der Patient schon“ nicht aus?
Lernpunkt
Pflege bedeutet nicht, Diagnosen zu stellen.
Pflege bedeutet, Veränderungen frühzeitig zu erkennen, richtig einzuschätzen und angemessen zu handeln.
Merksatz
Bei Brustschmerzen gilt: Erst beobachten, dann beurteilen und niemals bagatellisieren.