Fallbeispiel – Rückfall bei Alkoholabhängigkeit im häuslichen Umfeld

Akuter Rückfall, lebensgefährlicher Entzug und professionelle Entscheidungsfindung im häuslichen Umfeld.

Fall 1 von 35

Fallsituation

Sie arbeiten als Pflegefachperson in einem ambulanten psychiatrischen Dienst.

Der 50-jährige Herr Lange lebt allein in einer kleinen Wohnung.

Beim Betreten der Wohnung fällt Ihnen sofort ein starker Alkoholgeruch auf. Die Umgebung wirkt ungepflegt, mehrere leere Flaschen stehen sichtbar herum.

Herr Lange berichtet, dass er viele Jahre abstinent war. Nach einem belastenden Ereignis hat er erneut begonnen zu trinken.

Er wirkt erschöpft, verzweifelt und sagt:

„Ich schaffe es einfach nicht mehr aufzuhören… aber ich will das nicht.“

Im weiteren Gespräch äußert er:

„Ich mache den Entzug jetzt alleine zu Hause.“

👉 Sie befinden sich jetzt in einer typischen Prüfungssituation:

  • akute gesundheitliche Gefahr
  • vorhandene Motivation
  • falsche Entscheidung des Patienten

STOP. Erst denken.

🧠 Wie gehe ich an diesen Fall heran?

Zuerst prüfe ich die Gefährdung.

👉 Ein Alkoholentzug kann lebensbedrohlich sein.

Mögliche Komplikationen:

  • Krampfanfälle
  • Delir
  • Kreislaufversagen

👉 Das ist eine akute Gefahr.

Dann bewerte ich den Patientenwunsch:

„Ich mache den Entzug alleine“

👉 fachlich gefährlich

Gleichzeitig:

„Ich will aufhören“

👉 Motivation vorhanden

Meine Denkstruktur:

  1. Lebensgefahr erkennen
  2. Motivation nutzen
  3. nicht konfrontieren
  4. gezielt lenken
  5. Hilfe organisieren

Prioritäten im Fall (prüfungsrelevant)

  1. Gefährdung erkennen
  2. Patient schützen
  3. Motivation nutzen
  4. Beziehung erhalten
  5. Hilfe einleiten

Pflegeziele

  • Herr Lange nimmt innerhalb von 24 Stunden Kontakt zu einer professionellen Entzugsbehandlung (z. B. Klinik oder Arzt) auf.

  • Herr Lange benennt innerhalb des Gesprächs die Risiken eines unbeaufsichtigten Entzugs korrekt.

  • Herr Lange fühlt sich im Gespräch ernst genommen und zeigt Bereitschaft, Unterstützung anzunehmen.

  • Innerhalb von 3 Tagen ist eine strukturierte Weiterbehandlung eingeleitet.


Prüfungsentscheidung

Herr Lange sagt: „Ich mache den Entzug alleine.“

Wie reagieren Sie fachlich korrekt?

A) „Okay, ich unterstütze Sie dabei.“
B) Thema ignorieren
C) über Risiken aufklären und professionelle Hilfe anbieten
D) „Das dürfen Sie nicht!“

✅ Antwort und Begründung anzeigen

Bewertung

Richtig: C – Aufklärung + professionelle Hilfe

👉 Kombination aus Schutz und Beziehung.

👉 Prüfungsregel: Gefahr erkennen, erklären, sichere Alternative anbieten.


📝 Prüfungsfragen anzeigen

Prüfungsfragen

  1. Nennen Sie drei typische Kriterien einer Alkoholabhängigkeit.
  2. Nennen Sie zwei Risikofaktoren für einen Rückfall.
  3. Beschreiben Sie zwei wichtige Pflegeinterventionen.
  4. Was sind typische Entzugssymptome?
  5. Nennen Sie zwei Grundsätze der Gesprächsführung.
  6. Formulieren Sie eine passende Pflegediagnose.
  7. Nennen Sie ein realistisches Pflegeziel.
  8. Warum ist professionelle Unterstützung entscheidend?

🔍 Lösung anzeigen

Lösungen

Kriterien einer Alkoholabhängigkeit

  • Kontrollverlust über den Konsum
  • starkes Verlangen (Craving)
  • Auftreten von Entzugssymptomen

Risikofaktoren

  • belastende Lebensereignisse
  • soziale Isolation

Pflegeinterventionen (5-W)

  • Die Pflegefachperson führt ein motivierendes Gespräch durch, indem sie offen nach den Beweggründen fragt und Ressourcen stärkt, im direkten Kontakt während des Hausbesuchs, um die Veränderungsbereitschaft zu fördern.

  • Die Pflegefachperson organisiert professionelle Hilfe, indem sie gemeinsam mit Herrn Lange Kontakt zu einer Entzugseinrichtung oder einem Arzt herstellt, unmittelbar nach Einschätzung der Gefährdung, um einen sicheren Entzug zu gewährleisten.


Entzugssymptome

  • Zittern
  • Schwitzen
  • Unruhe
  • Krampfanfälle
  • Delir

Gesprächsführung

  • wertschätzende Haltung
  • aktives Zuhören

Pflegediagnose

Ineffektive Bewältigung im Zusammenhang mit Alkoholabhängigkeit und Rückfall.


Pflegeziel

Herr Lange nimmt professionelle Unterstützung für einen sicheren Entzug in Anspruch.


Bedeutung professioneller Unterstützung

Ein unbeaufsichtigter Entzug ist lebensgefährlich.

Professionelle Betreuung ermöglicht:

  • Überwachung
  • sichere Therapie
  • bessere Prognose


Typische Fehler (Prüfung)

  • Entzug unterschätzen
  • Motivation ignorieren
  • zu konfrontativ reagieren
  • keine Hilfe organisieren

Merksatz

Motivation nutzen, aber Sicherheit geht vor.

So gehst du sinnvoll weiter