Fallbeispiel – Asthma-Anfall und fehlende Therapieadhärenz bei Jugendlichen

Akute Atemnot, Inhalationstechnik und Umgang mit Krankheitsablehnung.

Fall 1 von 35

Fallsituation

Sie arbeiten als Pflegefachperson auf einer Kinder- und Jugendstation.

Der 15-jährige Leon wurde in der Nacht mit starker Atemnot aufgenommen. Er leidet an Asthma bronchiale.

Bei Aufnahme lag die Sauerstoffsättigung bei 82 %. Er erhielt Sauerstoff und mehrere Inhalationen.

Am Morgen wirkt Leon erschöpft, atmet angestrengt und sagt genervt:

„Dieses Spray bringt sowieso nichts… ich hab keinen Bock mehr darauf.“

Sie beobachten, dass er das Dosieraerosol sehr schnell und ohne Pause inhaliert.

👉 Sie befinden sich jetzt in einer typischen Prüfungssituation:

  • akute Atemnot
  • falsche Inhalationstechnik
  • fehlende Therapieadhärenz
  • entwicklungsbedingte Ablehnung

STOP. Erst denken.

🧠 Wie gehe ich an diesen Fall heran?

Zuerst prüfe ich, ob eine akute Gefährdung vorliegt.

Leon hatte eine Sauerstoffsättigung von 82 % und zeigt weiterhin Atemnot.

👉 Die Atmung ist akut gefährdet.

→ Sicherung der Atmung hat oberste Priorität.

Danach analysiere ich die Ursache:

Leon sagt, das Spray helfe nicht.

👉 Verdacht: Medikament wirkt nicht richtig

Die Beobachtung zeigt:

  • zu schnelles Inhalieren
  • keine Atemkontrolle

👉 Das Medikament erreicht die Lunge nicht ausreichend.

→ Ursache ist wahrscheinlich die falsche Anwendung, nicht das Medikament selbst.

Zusätzlich bewerte ich das Verhalten:

Leon ist 15 Jahre alt und zeigt Ablehnung.

👉 typisch für mangelnde Krankheitsakzeptanz im Jugendalter

→ Risiko für schlechte Therapieadhärenz

Meine Denkstruktur ist:

  1. Atmung sichern (akute Gefahr)
  2. Ursache erkennen (falsche Technik)
  3. Verhalten verstehen (Ablehnung)
  4. gezielt anleiten und motivieren

👉 Genau diese Kombination bringt Punkte.


Prioritäten im Fall (prüfungsrelevant)

  1. Atmung stabilisieren → lebenswichtige Funktion sichern

  2. Inhalationstechnik korrigieren → Wirksamkeit der Therapie sicherstellen

  3. Therapieverständnis fördern → Adhärenz verbessern

  4. emotionale Situation berücksichtigen → Motivation stärken


Prüfungsentscheidung

Leon sagt, das Spray helfe nicht.

Wie reagieren Sie fachlich korrekt?

A) Aussage ignorieren
B) einfach erneut inhalieren lassen
C) Anwendung überprüfen und anleiten
D) Therapie abbrechen

✅ Antwort und Begründung anzeigen

Bewertung

Richtig: C – Anwendung prüfen und anleiten

👉 Klassischer Prüfungsfall.

Warum?

  • Wirkung hängt direkt von der Technik ab
  • falsche Anwendung ist häufige Ursache für Therapieversagen
  • ohne Korrektur keine Verbesserung

👉 Erst Technik prüfen, dann Wirkung beurteilen.


📝 Prüfungsfragen anzeigen

Prüfungsfragen

  1. Nennen Sie drei Symptome eines Asthmaanfalls.

  2. Nennen Sie zwei Ursachen für Atemnot.

  3. Nennen Sie drei typische Anwendungsfehler.

  4. Nennen Sie zwei Maßnahmen bei Atemnot.

  5. Warum ist Mundhygiene wichtig?

  6. Nennen Sie zwei Präventionsmaßnahmen.

  7. Formulieren Sie eine Pflegediagnose.

  8. Warum ist Adhärenz wichtig?


🔍 Lösung anzeigen

Lösungen

Symptome eines Asthmaanfalls

  • Dyspnoe mit angestrengter Atmung
  • exspiratorisches Giemen
  • Husten, häufig mit Schleimbildung

Ursachen der Atemnot

  • Bronchokonstriktion durch Entzündung
  • vermehrte Schleimbildung mit Verengung der Atemwege

Typische Anwendungsfehler

  • zu schnelles und unkoordiniertes Einatmen
  • fehlende Abstimmung zwischen Sprühstoß und Einatmung
  • kein Atemanhalten nach der Inhalation

Pflegediagnose

Beeinträchtigte Atmung im Zusammenhang mit bronchialer Obstruktion und unzureichender Inhalationstechnik, erkennbar an Dyspnoe, erschöpfter Atmung und ineffektiver Medikamentenanwendung.


Pflegeziele (SMART formuliert)

  • Leon zeigt innerhalb der nächsten 30 Minuten eine verbesserte Atmung mit reduzierter Atemnot und stabiler Sauerstoffsättigung über 94 %.
  • Leon führt bis zum Ende der Schicht die Inhalation selbstständig korrekt durch, indem er den Ablauf demonstriert.
  • Leon beschreibt bis zum Ende des Gesprächs den Nutzen der Inhalationstherapie in eigenen Worten und zeigt Bereitschaft zur Mitarbeit.

Pflegerische Maßnahmen (5-W-Regel)

  • Die Pflegefachperson überprüft die aktuelle Atemsituation und Sauerstoffsättigung durch Beobachtung und Pulsoxymetrie bei Aufnahme und regelmäßig im Verlauf, um eine Verschlechterung frühzeitig zu erkennen und die Atmung zu sichern.

  • Die Pflegefachperson leitet Leon zur korrekten Inhalationstechnik an durch schrittweises Vormachen, gemeinsames Üben und anschließendes eigenständiges Durchführen direkt nach der Beobachtung der Fehlanwendung und im Verlauf wiederholt, damit das Medikament wirksam in die Lunge gelangt.

  • Die Pflegefachperson unterstützt eine atemerleichternde Position (z. B. Kutschersitz) durch Anleitung und Hilfestellung bei akuter Atemnot, um die Atemarbeit zu reduzieren und die Ventilation zu verbessern.

  • Die Pflegefachperson erklärt Leon den Zusammenhang zwischen richtiger Anwendung und Wirkung der Medikamente in verständlicher, altersgerechter Sprache im Gespräch nach Stabilisierung, um das Therapieverständnis und die Adhärenz zu fördern.

  • Die Pflegefachperson motiviert Leon zur aktiven Mitarbeit durch Einbeziehung in Entscheidungen und positives Feedback während der gesamten Betreuung, um die Krankheitsakzeptanz zu stärken und langfristige Therapieerfolge zu sichern.

  • Die Pflegefachperson führt eine Mundhygiene nach der Inhalation durch bzw. leitet diese an durch Spülen des Mundes mit Wasser nach jeder Inhalation, um Nebenwirkungen wie Mundsoor zu vermeiden.


Präventionsmaßnahmen

  • regelmäßige und korrekte Anwendung der verordneten Medikamente
  • Vermeidung individueller Triggerfaktoren wie Allergene oder körperliche Überlastung

Bedeutung der Adhärenz

Eine konsequente und korrekte Anwendung der Therapie ist entscheidend, um Asthmaanfälle zu verhindern und die Lungenfunktion langfristig zu stabilisieren.

👉 Nur richtige Anwendung führt zur Wirkung.


Typische Fehler (Prüfung)

  • Ursache nicht prüfen
  • Technik nicht kontrollieren
  • Patient als „unwillig“ bewerten
  • nur Symptome behandeln
  • Therapie blind wiederholen
  • keine Anleitung geben

Merksatz

Wirksamkeit beginnt bei der richtigen Anwendung.

So gehst du sinnvoll weiter