Fallbeispiel – Stumpfversorgung und Wundheilung nach Amputation

Wundversorgung, Prophylaxen und Umgang mit psychischer Belastung nach Amputation.

Fall 1 von 35

Fallsituation

Sie arbeiten als Pflegefachperson in der ambulanten Pflege.

Der 76-jährige Herr Braun lebt allein und wurde vor kurzem am Unterschenkel amputiert.

Er sitzt überwiegend im Rollstuhl und kann sich nur eingeschränkt bewegen.

Beim Verbandwechsel stellen Sie gerötete Wundränder, trockene Haut und eine leichte Schwellung fest.

Herr Braun sagt:

„Ich fühle mich nicht mehr wie ich selbst… alles ist anders.“

Außerdem sorgt er sich um die Kosten der Pflege und Behandlung.

👉 Sie befinden sich jetzt in einer typischen Prüfungssituation:

  • mögliche gestörte Wundheilung
  • erhöhtes Infektionsrisiko
  • eingeschränkte Mobilität
  • psychische Belastung nach Amputation

STOP. Erst denken.

🧠 Wie gehe ich an diesen Fall heran?

Zuerst prüfe ich, ob eine akute Gefährdung vorliegt.

Die Wunde zeigt Auffälligkeiten: → Rötung und Schwellung

👉 Das kann ein Hinweis auf eine beginnende Entzündung sein.

→ Infektionsrisiko hat hier Priorität.

Danach schaue ich auf die Ursachen:

  • eingeschränkte Durchblutung
  • reduzierte Mobilität
  • trockene Haut

👉 mehrere Faktoren verschlechtern die Wundheilung gleichzeitig

Dann bewerte ich die Gesamtsituation:

Herr Braun ist mobil eingeschränkt
→ Risiko für Sturz und weitere Komplikationen

Zusätzlich fällt die psychische Situation auf:

„Ich fühle mich nicht mehr wie ich selbst“

👉 Hinweis auf Anpassungsschwierigkeiten nach Amputation

Außerdem:

Er sorgt sich um Kosten
→ kann dazu führen, dass er notwendige Pflege ablehnt

Meine Denkstruktur ist:

  1. Infektionsrisiko erkennen
  2. Wundheilung einschätzen
  3. Mobilität und Sicherheit bewerten
  4. psychische Belastung berücksichtigen
  5. Patient gezielt aufklären und lenken

👉 Genau diese Kombination bringt Punkte.


Prioritäten im Fall (prüfungsrelevant)

  1. Wundheilung sichern → Infektionen vermeiden

  2. Stumpf fachgerecht versorgen → Voraussetzung für Prothesenfähigkeit

  3. Mobilität sichern → Sturzrisiko reduzieren

  4. Patient stabilisieren → psychische Anpassung unterstützen

  5. Aufklärung durchführen → falsche Entscheidungen verhindern


Pflegeziele

  • Die Wunde von Herrn Braun zeigt innerhalb der nächsten 5 Tage keine Infektionszeichen, erkennbar an fehlender Überwärmung, rückläufiger Rötung und stabilen Wundrändern.

  • Der Amputationsstumpf ist innerhalb von 2 Wochen reizlos und gut durchblutet, sodass eine komplikationsfreie Weiterbehandlung möglich ist.

  • Herr Braun beschreibt innerhalb von 2 Gesprächen den Zusammenhang zwischen Verbandwechsel und Wundheilung und stimmt der Durchführung zu.

  • Herr Braun zeigt innerhalb von 7 Tagen eine verbesserte Akzeptanz seiner Situation und beteiligt sich aktiv an der Pflege.


Prüfungsentscheidung

Herr Braun möchte weniger Verbandwechsel, um Kosten zu sparen.

Wie reagieren Sie fachlich korrekt?

A) zustimmen
B) ignorieren
C) über Notwendigkeit aufklären
D) Entscheidung überlassen

✅ Antwort und Begründung anzeigen

Bewertung

Richtig: C – Aufklärung notwendig

👉 Klassischer Prüfungsfall.

Warum?

  • Wunde zeigt bereits Auffälligkeiten
  • Infektionsrisiko ist erhöht
  • reduzierte Versorgung verschlechtert Heilung

👉 Ohne konsequente Versorgung drohen Komplikationen.

👉 Prüfungsregel: Risiko erkennen, erklären, richtige Maßnahme sichern.


📝 Prüfungsfragen anzeigen

Prüfungsfragen

  1. Formulieren Sie eine Pflegediagnose.
  2. Nennen Sie zwei Pflegeziele.
  3. Nennen Sie zwei Maßnahmen der Wundversorgung.
  4. Nennen Sie drei Risikofaktoren für pAVK.
  5. Nennen Sie zwei Präventionsmaßnahmen.
  6. Nennen Sie zwei Aspekte der Fotodokumentation.
  7. Nennen Sie zwei Maßnahmen zur Sturzprophylaxe.
  8. Warum ist Aufklärung wichtig?

🔍 Lösung anzeigen

Lösungen

Pflegediagnose

Beeinträchtigte Hautintegrität im Bereich des Amputationsstumpfes im Zusammenhang mit operativem Eingriff und eingeschränkter Durchblutung, erkennbar an Rötung, Schwellung und verzögerter Wundheilung.


Pflegeziele

  • Wunde heilt ohne Infektion
  • Voraussetzung für Prothesenversorgung bleibt erhalten

Maßnahmen der Wundversorgung (5-W)

  • Die Pflegefachperson führt den Verbandwechsel am Amputationsstumpf unter aseptischen Bedingungen durch, indem sterile Materialien verwendet und hygienische Richtlinien eingehalten werden, gemäß ärztlicher Anordnung und regelmäßig, um Infektionen zu vermeiden und die Wundheilung zu fördern.

  • Die Pflegefachperson kontrolliert die Wunde auf Rötung, Schwellung, Sekret und Geruch durch gezielte Inspektion bei jedem Verbandwechsel, um frühzeitig Komplikationen zu erkennen.


Weitere pflegerische Maßnahmen (5-W)

  • Die Pflegefachperson pflegt die Haut am Stumpf mit rückfettenden Produkten durch sanftes Auftragen täglich, um Hautschäden zu vermeiden und die Hautbarriere zu stärken.

  • Die Pflegefachperson unterstützt die Mobilisation durch Anleitung und Einsatz von Hilfsmitteln bei jeder Bewegungssituation, um Stürze zu vermeiden und die Selbstständigkeit zu fördern.

  • Die Pflegefachperson führt Gespräche mit Herrn Braun durch aktives Zuhören regelmäßig im Pflegekontakt, um die psychische Belastung zu reduzieren.

  • Die Pflegefachperson klärt Herrn Braun über die Bedeutung der Verbandwechsel in verständlicher Sprache im Gespräch auf, um seine Mitarbeit zu fördern und Komplikationen zu vermeiden.


Risiken (pAVK)

  • Rauchen
  • Diabetes mellitus
  • Bewegungsmangel

Prävention

  • Mobilität fördern
  • Lebensstilberatung

Fotodokumentation

  • Einwilligung einholen
  • standardisiert durchführen

Sturzprophylaxe

  • Hilfsmittel einsetzen
  • Umgebung sichern

Aufklärung

Aufklärung ist notwendig, damit der Patient die Bedeutung der Maßnahmen versteht und aktiv mitarbeitet.

👉 Nur Verständnis führt zu Mitarbeit.


Typische Fehler (Prüfung)

  • Wundveränderungen unterschätzen
  • Versorgung reduzieren
  • Ursachen ignorieren
  • psychische Situation übersehen
  • keine Aufklärung
  • Maßnahmen nicht begründen

Merksatz

Wundheilung braucht Konsequenz, nicht Kompromisse.

So gehst du sinnvoll weiter