Fallbeispiel – Sturzrisiko und Überlastung im häuslichen Umfeld
Mobilitätseinschränkung, Pflegegradanpassung und Angehörigenberatung.
Fallsituation
Sie arbeiten als Pflegefachperson in der ambulanten Pflege.
Die 84-jährige Frau Sommer lebt mit ihrem Ehemann in einem Einfamilienhaus.
Sie leidet unter starken Gelenkschmerzen und bewegt sich unsicher. Mehrfach ist sie in letzter Zeit gestürzt.
Im Haus befinden sich viele Teppiche und Treppen, die sie täglich nutzen muss.
Sie benötigt Unterstützung bei der Körperpflege, kann aber Teile selbstständig durchführen.
Ihr Ehemann wirkt erschöpft und sagt:
„Ich schaffe das alles nicht mehr… und ich glaube, wir brauchen mehr Hilfe.“
👉 Sie befinden sich jetzt in einer typischen Prüfungssituation:
- akute Gefährdung durch Sturzrisiko
- veränderter Pflegebedarf
- überlastete Angehörige
- notwendige Anpassung der Versorgung
🧠 Wie gehe ich an diesen Fall heran?
Zuerst prüfe ich, ob eine akute Gefährdung besteht.
Frau Sommer ist bereits mehrfach gestürzt und bewegt sich unsicher.
👉 Es besteht ein hohes Sturzrisiko.
Sicherheit hat daher zuerst Priorität.
Danach schaue ich auf die Ursachen:
- eingeschränkte Mobilität durch Schmerzen
- gefährliche Wohnumgebung mit Teppichen und Treppen
👉 Mehrere Risikofaktoren verstärken sich gegenseitig.
Zusätzlich bewerte ich die Versorgungssituation:
Der Ehemann wirkt erschöpft und äußert Überforderung.
👉 Risiko für Versorgungslücken.
Außerdem:
Der Pflegebedarf hat sich verändert.
👉 Versorgung muss angepasst werden.
Meine Denkstruktur ist:
- Akute Gefahr erkennen
- Ursachen analysieren
- Versorgung bewerten
- Pflegebedarf neu einordnen
- Maßnahmen ableiten
Prioritäten im Fall (prüfungsrelevant)
- Sturzrisiko reduzieren
- Mobilität sichern
- Pflegebedarf neu einschätzen
- Angehörige entlasten
- Versorgung strukturieren
Pflegeziele
-
Frau Sommer bewegt sich innerhalb von 7 Tagen sicherer in ihrer Wohnung und es treten keine weiteren Stürze auf.
-
Die Wohnumgebung ist innerhalb von 5 Tagen angepasst, sodass erkennbare Sturzquellen reduziert sind.
-
Frau Sommer erhält innerhalb von 14 Tagen eine an den Bedarf angepasste pflegerische Versorgung, z. B. durch Überprüfung des Pflegegrades.
-
Der Ehemann berichtet innerhalb von 7 Tagen über eine subjektive Entlastung durch zusätzliche Unterstützungsmöglichkeiten.
Prüfungsentscheidung
Der Pflegebedarf hat sich verändert.
Was ist die wichtigste Maßnahme?
✅ Antwort und Begründung anzeigen
Bewertung
Richtig: C – Pflegegrad überprüfen lassen
👉 Versorgung muss strukturell angepasst werden.
👉 Prüfungsregel: Bedarf erkennen → Versorgung anpassen → absichern.
📝 Prüfungsfragen anzeigen
Prüfungsfragen
- Nennen Sie zwei Sturzrisikofaktoren.
- Nennen Sie drei Maßnahmen zur Sturzprophylaxe.
- Nennen Sie zwei Pflegeprobleme.
- Nennen Sie zwei Pflegeziele.
- Was ist der Pflegeprozess?
- Nennen Sie zwei Beratungsinhalte.
- Was ist das NBA?
- Warum ist Angehörigenarbeit wichtig?
🔍 Lösung anzeigen
Lösungen
Sturzrisikofaktoren
- eingeschränkte Mobilität durch Schmerzen
- unsichere Wohnumgebung mit Teppichen und Treppen
Maßnahmen zur Sturzprophylaxe (5-W)
-
Die Pflegefachperson entfernt Stolperquellen wie Teppiche durch Anpassung der Wohnumgebung gemeinsam mit den Angehörigen bei Erstbegehung, um das Sturzrisiko zu reduzieren.
-
Die Pflegefachperson empfiehlt und organisiert geeignete Hilfsmittel wie Rollator durch Beratung und Verordnungseinleitung im Verlauf der Versorgung, um die Mobilität zu sichern.
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Die Pflegefachperson begleitet Frau Sommer bei unsicheren Bewegungen aktiv im Alltag, um Stürze zu vermeiden.
Pflegeprobleme
- erhöhtes Sturzrisiko
- eingeschränkte Mobilität bei Schmerzen
Pflegeziele
- sichere Mobilität im Alltag
- Erhalt der Selbstständigkeit
Pflegeprozess
Der Pflegeprozess umfasst Informationssammlung, Problemerkennung, Zielsetzung, Maßnahmenplanung, Durchführung und Evaluation.
Beratungsinhalte (5-W)
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Die Pflegefachperson berät zur Anpassung des Pflegegrades durch Aufklärung über das Verfahren im Gespräch bei erkanntem Mehrbedarf, um eine ausreichende Versorgung sicherzustellen.
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Die Pflegefachperson informiert über Entlastungsangebote für Angehörige durch gezielte Beratung im Pflegekontakt, um Überlastung zu reduzieren.
NBA
Das Neue Begutachtungsassessment bewertet die Selbstständigkeit zur Einstufung des Pflegegrades.
Angehörigenarbeit (5-W)
- Die Pflegefachperson führt Gespräche mit dem Ehemann durch aktives Zuhören und Beratung regelmäßig im Pflegekontakt, um Überlastung zu erkennen und Unterstützung zu organisieren.
Typische Fehler (Prüfung)
- Sturzrisiko nicht priorisieren
- Umgebung ignorieren
- Pflegebedarf nicht anpassen
- Angehörigenbelastung übersehen
Merksatz
Sicherheit zuerst, dann Versorgung anpassen.