Fallbeispiel – Kommunikation und herausforderndes Verhalten bei Behinderung

Umgang mit eingeschränkter Kommunikation, familiären Konflikten und Deeskalation.

Fall 1 von 35

Fallsituation

Sie arbeiten als Pflegefachperson in der ambulanten Pflege.

Die 34-jährige Frau Lehmann lebt bei ihren Eltern. Nach einem schweren Ereignis in der Vergangenheit ist sie kognitiv stark eingeschränkt.

Sie kann sich nicht verständlich ausdrücken und reagiert auf Veränderungen oft mit Schreien und Abwehrverhalten.

Die Mutter übernimmt den Großteil der Pflege, wirkt erschöpft und angespannt. Der Vater zieht sich zunehmend zurück.

Beim Betreten der Wohnung reagiert Frau Lehmann unruhig, schreit laut und schlägt mit den Händen auf den Tisch.

Die Situation eskaliert kurzzeitig, kann aber beruhigt werden.

👉 Sie befinden sich jetzt in einer typischen Prüfungssituation:

  • herausforderndes Verhalten
  • eingeschränkte Kommunikation
  • mögliche Eskalation
  • überlastete Angehörige

STOP. Erst denken.

🧠 Wie gehe ich an diesen Fall heran?

Zuerst prüfe ich, ob eine akute Gefährdung besteht.

Frau Lehmann zeigt Schreien und Abwehrverhalten.

👉 Risiko für Selbst- oder Fremdgefährdung

→ Deeskalation hat oberste Priorität

Dann:

👉 Verhalten ist Kommunikation

Frau Lehmann kann sich nicht verbal ausdrücken.

→ Schreien = Ausdruck von:

  • Überforderung
  • Angst
  • Reizüberflutung

Typischer Prüfungsfehler: → Verhalten kontrollieren wollen

👉 falsch

→ Verhalten verstehen

Zusätzlich:

  • neue Situation (Besuch)
  • ungewohnte Reize

👉 typische Eskalationsauslöser

Außerdem:

  • Mutter überlastet
  • Vater zieht sich zurück

👉 Familiensystem instabil

Meine Denkstruktur:

  1. Deeskalation sichern
  2. Verhalten verstehen
  3. Auslöser erkennen
  4. Kommunikation anpassen
  5. Angehörige entlasten

👉 Reihenfolge ist entscheidend


Prioritäten im Fall (prüfungsrelevant)

  1. Deeskalation sichern → akute Situation stabilisieren

  2. Kommunikation anpassen → Bedürfnisse erkennen

  3. Reize reduzieren → Eskalation vermeiden

  4. Struktur schaffen → Sicherheit geben

  5. Angehörige entlasten → Versorgung langfristig sichern


Pflegeziele

  • Frau Lehmann zeigt innerhalb des aktuellen Pflegekontakts eine Reduktion des herausfordernden Verhaltens, erkennbar an verminderter Lautstärke, weniger Abwehrbewegungen und erhöhter Kooperationsbereitschaft.

  • Frau Lehmann erlebt innerhalb der nächsten 3 Tage mehr Sicherheit und Orientierung in Pflegesituationen, erkennbar an ruhigerem Verhalten bei wiederkehrenden Abläufen.

  • Die Mutter fühlt sich innerhalb von 5 Tagen im Umgang mit herausforderndem Verhalten sicherer, erkennbar daran, dass sie mindestens zwei Deeskalationsstrategien benennen und anwenden kann.

  • Die familiäre Belastung wird innerhalb von 1 Woche reduziert, indem geeignete Unterstützungsangebote eingeleitet und angenommen werden.


Prüfungsentscheidung

Frau Lehmann zeigt starkes Abwehrverhalten.

Wie reagieren Sie fachlich korrekt?

A) Verhalten unterdrücken
B) Situation ignorieren
C) ruhig bleiben und Reize reduzieren
D) sofort abbrechen

✅ Antwort und Begründung anzeigen

Bewertung

Richtig: C – Deeskalation

👉 Klassischer Prüfungsfall.

Warum?

  • Verhalten = Überforderung
  • Reize verstärken Eskalation
  • Ruhe reduziert Stress

👉 Ziel: Beruhigung, nicht Kontrolle

Warum die anderen falsch sind:

  • A (unterdrücken) → erhöht Widerstand

  • B (ignorieren) → gefährlich

  • D (abbrechen) → keine Lösung

👉 Prüfungsregel: Verhalten verstehen, nicht bekämpfen.


📝 Prüfungsfragen anzeigen

Prüfungsfragen

  1. Formulieren Sie eine Pflegediagnose.

  2. Nennen Sie zwei Ursachen für herausforderndes Verhalten.

  3. Nennen Sie drei Deeskalationsmaßnahmen.

  4. Nennen Sie zwei Kommunikationsformen.

  5. Was bedeutet Empathie?

  6. Nennen Sie zwei Unterstützungsangebote.

  7. Was ist Inklusion?

  8. Warum ist Struktur wichtig?


🔍 Lösung anzeigen

Lösungen

Pflegediagnose

Beeinträchtigte Kommunikation im Zusammenhang mit kognitiver Einschränkung, erkennbar an fehlender verbaler Ausdrucksfähigkeit und herausforderndem Verhalten.


Ursachen

Herausforderndes Verhalten kann durch Überforderung, Reizüberflutung oder fehlende Kommunikationsmöglichkeiten entstehen.


Deeskalationsmaßnahmen

  • Die Pflegefachperson bleibt bewusst ruhig, spricht langsam und mit klarer, ruhiger Stimme mit Frau Lehmann, um Sicherheit zu vermitteln und Stress zu reduzieren, während der gesamten Situation.

  • Die Pflegefachperson reduziert gezielt äußere Reize, indem sie laute Geräusche vermeidet, die Umgebung ruhig gestaltet und nur notwendige Handlungen durchführt, um Überforderung zu verhindern.

  • Die Pflegefachperson hält ausreichend Abstand, vermeidet hastige Bewegungen und signalisiert durch Körpersprache Sicherheit, um eine weitere Eskalation zu vermeiden.


Kommunikation

  • Die Pflegefachperson nutzt nonverbale Kommunikation wie Blickkontakt, ruhige Gestik und Mimik, um Sicherheit zu vermitteln.

  • Die Pflegefachperson verwendet einfache, kurze und klare verbale Aussagen, um Verständnis zu erleichtern.


Empathie

Empathie bedeutet, sich in die Situation der Patientin hineinzuversetzen, ihre Gefühle wahrzunehmen und angemessen darauf zu reagieren.


Unterstützungsangebote

  • Die Pflegefachperson informiert die Angehörigen über Beratungsangebote, zum Beispiel Pflegestützpunkte oder spezialisierte Beratungsstellen.

  • Die Pflegefachperson organisiert bei Bedarf Entlastungsangebote wie ambulante Unterstützung oder Tagespflege, um die Belastung der Familie zu reduzieren.


Inklusion

Inklusion bedeutet, dass Menschen mit Einschränkungen gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können.


Struktur

Struktur hilft, Orientierung und Sicherheit zu geben, wodurch Überforderung reduziert und herausforderndes Verhalten verringert werden kann.


Erweiterte pflegerische Maßnahmen

  • Die Pflegefachperson analysiert gemeinsam mit den Angehörigen mögliche Auslöser für das Verhalten, indem sie Situationen beobachtet und dokumentiert, um gezielt präventiv handeln zu können.

  • Die Pflegefachperson etabliert gemeinsam mit der Familie feste Abläufe im Alltag, um Wiedererkennung zu fördern und Unsicherheit zu reduzieren, täglich im häuslichen Umfeld.

  • Die Pflegefachperson schult die Angehörigen im Umgang mit herausforderndem Verhalten, indem sie konkrete Strategien zur Deeskalation erklärt und gemeinsam übt, um langfristig Sicherheit im Umgang zu schaffen.


Typische Fehler (Prüfung)

  • Verhalten kontrollieren wollen
  • Ursache ignorieren
  • zu viele Reize
  • hektisches Verhalten
  • Angehörige vergessen
  • keine Struktur

Merksatz

Herausforderndes Verhalten ist Kommunikation, keine Störung.

So gehst du sinnvoll weiter