Fallbeispiel – Dyspnoe und Sauerstofftherapie bei COPD

Akute Atemnot, sichere Sauerstoffgabe und Sturzereignis bei COPD-Patient.

Fall 1 von 35

Fallsituation

Sie arbeiten als Pflegefachperson auf einer internistischen Station.

Der 72-jährige Herr Weber wird mit zunehmender Atemnot aufgenommen. Er leidet an einer chronischen Lungenerkrankung (COPD).

Er erhält Sauerstoff über eine Nasenbrille mit 2 Litern pro Minute sowie eine Infusion über einen venösen Zugang.

Herr Weber wirkt unruhig und sagt:

„Drehen Sie den Sauerstoff höher, ich bekomme keine Luft!“

Sie bemerken eine angestrengte Atmung und ein pfeifendes Atemgeräusch.

Kurz darauf versucht Herr Weber selbstständig aufzustehen und bricht zusammen.

👉 Typische Prüfungssituation:

  • akute Dyspnoe
  • Sauerstofftherapie bei COPD
  • Unruhe und Angst
  • Sturzereignis
  • Mehrfachproblematik

STOP. Erst denken.

🧠 Wie gehe ich an diesen Fall heran?

Zuerst bewerte ich die akute Gefährdung.

Herr Weber zeigt:

  • Atemnot
  • Unruhe
  • angestrengte Atmung

👉 akute respiratorische Problematik

→ Atmung hat oberste Priorität

Zusätzlich:

  • pfeifendes Atemgeräusch
    → verengte Atemwege

  • Unruhe
    → Angst + Luftnot

Jetzt kommt der Prüfpunkt:

Herr Weber fordert mehr Sauerstoff.

👉 Problem: COPD-Patient

→ zu viel Sauerstoff kann führen zu:

  • CO₂-Retention
  • CO₂-Narkose

Dann zweite Eskalation:

→ Sturz

👉 jetzt:

  • Atemproblem
  • Trauma-Risiko

Meine Denkstruktur:

  1. Atmung sichern
  2. Sauerstofftherapie korrekt einordnen
  3. Sturz beurteilen
  4. Patient sichern
  5. engmaschig überwachen

👉 Priorisierung entscheidet


Prioritäten im Fall (prüfungsrelevant)

  1. Atmung stabilisieren → lebenswichtig

  2. Sauerstoff kontrolliert anwenden → Überdosierung vermeiden

  3. Sturz einschätzen → Verletzungen erkennen

  4. Patient sichern → weitere Gefährdung verhindern

  5. Überwachung sicherstellen → Verlauf erkennen


Pflegeziele

  • Die Atmung von Herrn Weber ist innerhalb kurzer Zeit stabilisiert, erkennbar an ruhigerer Atmung und reduzierter Atemarbeit.

  • Die Sauerstoffsättigung liegt im individuell angepassten Zielbereich, ohne Anzeichen einer CO₂-Retention.

  • Herr Weber bleibt während der Versorgung im Bett oder wird gesichert mobilisiert, sodass keine weiteren Sturzereignisse auftreten.

  • Herr Weber zeigt ein ruhigeres Verhalten und kann Anweisungen besser folgen.


Prüfungsentscheidung

Herr Weber fordert mehr Sauerstoff.

Was ist die richtige pflegerische Reaktion?

A) Sauerstoff sofort erhöhen
B) Sauerstoff nach Gefühl anpassen
C) Sauerstoff nur nach ärztlicher Anordnung anpassen
D) Sauerstoff absetzen

✅ Antwort und Begründung anzeigen

Bewertung

Richtig: C – ärztliche Anordnung beachten

Warum?

  • Sauerstoff ist ein Medikament
  • COPD-Patienten reagieren empfindlich
  • Risiko der CO₂-Narkose

👉 Dosierung darf nicht eigenständig verändert werden


📝 Prüfungsfragen anzeigen

Prüfungsfragen

  1. Nennen Sie drei Sofortmaßnahmen bei einem Sturz.
  2. Formulieren Sie eine Pflegediagnose.
  3. Nennen Sie zwei Pflegeziele.
  4. Nennen Sie drei Pflegeinterventionen.
  5. Was ist eine mögliche Komplikation bei zu viel Sauerstoff?
  6. Nennen Sie zwei Beobachtungskriterien beim PVK.
  7. Nennen Sie zwei Beratungsthemen.
  8. Warum ist Anleitung wichtig?

🔍 Lösung anzeigen

Lösungen

Sofortmaßnahmen

  • Bewusstsein prüfen
  • Atmung beurteilen
  • Vitalzeichen kontrollieren

Pflegediagnose

Beeinträchtigte Atmung im Zusammenhang mit COPD, erkennbar an Dyspnoe und erhöhter Atemarbeit.


Pflegeziele

  • stabile Atmung
  • sichere Situation ohne weitere Stürze

Pflegeinterventionen

  • atemerleichternde Lagerung
  • Überwachung der Sauerstoffgabe
  • Beobachtung von Atmung und Bewusstsein

Komplikation

CO₂-Narkose durch zu hohe Sauerstoffgabe.


PVK

  • Einstichstelle kontrollieren
  • Durchgängigkeit prüfen

Beratung

  • Atemtechniken
  • Rauchstopp

Anleitung

Fördert Sicherheit und verhindert Eigengefährdung.


Pflegerische Maßnahmen (5-W-System)

  • Die Pflegefachperson bringt Herrn Weber unmittelbar bei akuter Atemnot in eine atemerleichternde Position, zum Beispiel Oberkörperhochlagerung oder Kutschersitz, um die Atemmechanik zu verbessern und die Atemarbeit zu reduzieren.

  • Die Pflegefachperson überprüft kontinuierlich die Sauerstoffgabe, kontrolliert die verordnete Literzahl und passt diese ausschließlich nach ärztlicher Anordnung an, um eine ausreichende Sauerstoffversorgung sicherzustellen und eine CO₂-Retention zu vermeiden.

  • Die Pflegefachperson beobachtet fortlaufend die Atmung, die Sauerstoffsättigung sowie den Bewusstseinszustand und dokumentiert Veränderungen, um eine Verschlechterung frühzeitig zu erkennen.

  • Die Pflegefachperson sichert Herrn Weber nach dem Sturz sofort, überprüft Bewusstsein und Vitalzeichen und informiert den ärztlichen Dienst, um mögliche Verletzungen auszuschließen.

  • Die Pflegefachperson sorgt dafür, dass Herr Weber nicht eigenständig aufsteht, bleibt bei ihm oder organisiert Unterstützung, um weitere Stürze zu verhindern.

  • Die Pflegefachperson spricht ruhig mit Herrn Weber, erklärt die Situation verständlich und vermittelt Sicherheit, um Angst und Unruhe zu reduzieren.


Typische Fehler (Prüfung)

  • Sauerstoff eigenständig erhöhen
  • COPD-Besonderheiten ignorieren
  • Sturz unterschätzen
  • Prioritäten falsch setzen
  • Patient nicht sichern

Merksatz

Atmung zuerst, Sauerstoff nur kontrolliert.

So gehst du sinnvoll weiter