Fallbeispiel – Dyspnoe und Sauerstofftherapie bei COPD
Akute Atemnot, sichere Sauerstoffgabe und Sturzereignis bei COPD-Patient.
Fallsituation
Sie arbeiten als Pflegefachperson auf einer internistischen Station.
Der 72-jährige Herr Weber wird mit zunehmender Atemnot aufgenommen. Er leidet an einer chronischen Lungenerkrankung (COPD).
Er erhält Sauerstoff über eine Nasenbrille mit 2 Litern pro Minute sowie eine Infusion über einen venösen Zugang.
Herr Weber wirkt unruhig und sagt:
„Drehen Sie den Sauerstoff höher, ich bekomme keine Luft!“
Sie bemerken eine angestrengte Atmung und ein pfeifendes Atemgeräusch.
Kurz darauf versucht Herr Weber selbstständig aufzustehen und bricht zusammen.
👉 Typische Prüfungssituation:
- akute Dyspnoe
- Sauerstofftherapie bei COPD
- Unruhe und Angst
- Sturzereignis
- Mehrfachproblematik
🧠 Wie gehe ich an diesen Fall heran?
Zuerst bewerte ich die akute Gefährdung.
Herr Weber zeigt:
- Atemnot
- Unruhe
- angestrengte Atmung
👉 akute respiratorische Problematik
→ Atmung hat oberste Priorität
Zusätzlich:
-
pfeifendes Atemgeräusch
→ verengte Atemwege -
Unruhe
→ Angst + Luftnot
Jetzt kommt der Prüfpunkt:
Herr Weber fordert mehr Sauerstoff.
👉 Problem: COPD-Patient
→ zu viel Sauerstoff kann führen zu:
- CO₂-Retention
- CO₂-Narkose
Dann zweite Eskalation:
→ Sturz
👉 jetzt:
- Atemproblem
- Trauma-Risiko
Meine Denkstruktur:
- Atmung sichern
- Sauerstofftherapie korrekt einordnen
- Sturz beurteilen
- Patient sichern
- engmaschig überwachen
👉 Priorisierung entscheidet
Prioritäten im Fall (prüfungsrelevant)
-
Atmung stabilisieren → lebenswichtig
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Sauerstoff kontrolliert anwenden → Überdosierung vermeiden
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Sturz einschätzen → Verletzungen erkennen
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Patient sichern → weitere Gefährdung verhindern
-
Überwachung sicherstellen → Verlauf erkennen
Pflegeziele
-
Die Atmung von Herrn Weber ist innerhalb kurzer Zeit stabilisiert, erkennbar an ruhigerer Atmung und reduzierter Atemarbeit.
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Die Sauerstoffsättigung liegt im individuell angepassten Zielbereich, ohne Anzeichen einer CO₂-Retention.
-
Herr Weber bleibt während der Versorgung im Bett oder wird gesichert mobilisiert, sodass keine weiteren Sturzereignisse auftreten.
-
Herr Weber zeigt ein ruhigeres Verhalten und kann Anweisungen besser folgen.
Prüfungsentscheidung
Herr Weber fordert mehr Sauerstoff.
Was ist die richtige pflegerische Reaktion?
✅ Antwort und Begründung anzeigen
Bewertung
Richtig: C – ärztliche Anordnung beachten
Warum?
- Sauerstoff ist ein Medikament
- COPD-Patienten reagieren empfindlich
- Risiko der CO₂-Narkose
👉 Dosierung darf nicht eigenständig verändert werden
📝 Prüfungsfragen anzeigen
Prüfungsfragen
- Nennen Sie drei Sofortmaßnahmen bei einem Sturz.
- Formulieren Sie eine Pflegediagnose.
- Nennen Sie zwei Pflegeziele.
- Nennen Sie drei Pflegeinterventionen.
- Was ist eine mögliche Komplikation bei zu viel Sauerstoff?
- Nennen Sie zwei Beobachtungskriterien beim PVK.
- Nennen Sie zwei Beratungsthemen.
- Warum ist Anleitung wichtig?
🔍 Lösung anzeigen
Lösungen
Sofortmaßnahmen
- Bewusstsein prüfen
- Atmung beurteilen
- Vitalzeichen kontrollieren
Pflegediagnose
Beeinträchtigte Atmung im Zusammenhang mit COPD, erkennbar an Dyspnoe und erhöhter Atemarbeit.
Pflegeziele
- stabile Atmung
- sichere Situation ohne weitere Stürze
Pflegeinterventionen
- atemerleichternde Lagerung
- Überwachung der Sauerstoffgabe
- Beobachtung von Atmung und Bewusstsein
Komplikation
CO₂-Narkose durch zu hohe Sauerstoffgabe.
PVK
- Einstichstelle kontrollieren
- Durchgängigkeit prüfen
Beratung
- Atemtechniken
- Rauchstopp
Anleitung
Fördert Sicherheit und verhindert Eigengefährdung.
Pflegerische Maßnahmen (5-W-System)
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Die Pflegefachperson bringt Herrn Weber unmittelbar bei akuter Atemnot in eine atemerleichternde Position, zum Beispiel Oberkörperhochlagerung oder Kutschersitz, um die Atemmechanik zu verbessern und die Atemarbeit zu reduzieren.
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Die Pflegefachperson überprüft kontinuierlich die Sauerstoffgabe, kontrolliert die verordnete Literzahl und passt diese ausschließlich nach ärztlicher Anordnung an, um eine ausreichende Sauerstoffversorgung sicherzustellen und eine CO₂-Retention zu vermeiden.
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Die Pflegefachperson beobachtet fortlaufend die Atmung, die Sauerstoffsättigung sowie den Bewusstseinszustand und dokumentiert Veränderungen, um eine Verschlechterung frühzeitig zu erkennen.
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Die Pflegefachperson sichert Herrn Weber nach dem Sturz sofort, überprüft Bewusstsein und Vitalzeichen und informiert den ärztlichen Dienst, um mögliche Verletzungen auszuschließen.
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Die Pflegefachperson sorgt dafür, dass Herr Weber nicht eigenständig aufsteht, bleibt bei ihm oder organisiert Unterstützung, um weitere Stürze zu verhindern.
-
Die Pflegefachperson spricht ruhig mit Herrn Weber, erklärt die Situation verständlich und vermittelt Sicherheit, um Angst und Unruhe zu reduzieren.
Typische Fehler (Prüfung)
- Sauerstoff eigenständig erhöhen
- COPD-Besonderheiten ignorieren
- Sturz unterschätzen
- Prioritäten falsch setzen
- Patient nicht sichern
Merksatz
Atmung zuerst, Sauerstoff nur kontrolliert.