Fallbeispiel – Dialyse, Durstgefühl und Hautprobleme im Pflegeheim
Umgang mit Flüssigkeitsrestriktion, Diabetes und Hautveränderungen bei Dialysepatient.
Fallsituation
Sie arbeiten als Pflegefachperson in einem Pflegeheim.
Der 86-jährige Herr Wagner lebt seit einigen Monaten in Ihrer Einrichtung. Er leidet an einem insulinpflichtigen Diabetes mellitus sowie einer fortgeschrittenen Nierenerkrankung.
Dreimal pro Woche wird er zur Dialyse ins Krankenhaus gebracht. Seine tägliche Trinkmenge ist stark begrenzt.
Herr Wagner bewegt sich mit einem Gehstock und benötigt Unterstützung bei der Körperpflege.
Beim Betreten des Zimmers sagt er:
„Ich habe solchen Durst… kann ich bitte noch etwas trinken?“
Sie wissen, dass er seine Tagesmenge bereits ausgeschöpft hat.
Zusätzlich klagt er über starken Juckreiz und zeigt trockene, gerötete Haut.
👉 Typische Prüfungssituation:
- Dialyse + Flüssigkeitsrestriktion
- Diabetes mellitus
- starkes Durstgefühl
- Hautprobleme
🧠 Wie gehe ich an diesen Fall heran?
Zuerst bewerte ich die akute Situation.
Herr Wagner äußert starken Durst.
👉 entscheidender Punkt: Durst ist hier kein reines Bedürfnis, sondern kann ein Symptom sein.
Mögliche Ursachen:
- Hyperglykämie
- Flüssigkeitsmangel
- dialysebedingte Veränderungen
👉 zuerst Ursache klären
Dann bewerte ich die Dialyse:
→ Flüssigkeitsrestriktion ist lebenswichtig
→ zu viel Flüssigkeit kann führen zu:
- Überwässerung
- Herzbelastung
- Lungenödem
👉 falsches Handeln kann lebensgefährlich sein
Zusätzlich:
- Juckreiz + trockene Haut
→ typisch bei Dialyse, pflegerisch relevant
Meine Denkstruktur:
- Ursache klären (Blutzucker)
- Flüssigkeitsbalance beachten
- Symptome lindern ohne Risiko
- Hautprobleme behandeln
- Patient anleiten
👉 erst verstehen, dann handeln
Prioritäten im Fall (prüfungsrelevant)
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Stoffwechsel kontrollieren → Hyperglykämie ausschließen
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Flüssigkeitsbalance sichern → Überwässerung vermeiden
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Durst lindern ohne Risiko → Lebensqualität verbessern
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Hautzustand verbessern → Juckreiz reduzieren
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Patient anleiten → Sicherheit im Alltag
Pflegeziele
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Der Blutzucker von Herrn Wagner ist zeitnah kontrolliert und liegt im Zielbereich, sodass eine Hyperglykämie ausgeschlossen oder erkannt wird.
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Das Durstgefühl von Herrn Wagner ist durch pflegerische Maßnahmen innerhalb kurzer Zeit subjektiv gelindert, ohne die vorgegebene Trinkmenge zu überschreiten.
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Die Haut von Herrn Wagner ist innerhalb weniger Tage deutlich besser hydratisiert, der Juckreiz reduziert sich sichtbar, erkennbar an weniger Kratzen.
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Herr Wagner versteht die Bedeutung der Flüssigkeitsrestriktion und zeigt im Alltag ein angepasstes Trinkverhalten.
Prüfungsentscheidung
Herr Wagner fordert mehr Flüssigkeit.
Was ist die richtige pflegerische Reaktion?
✅ Antwort und Begründung anzeigen
Bewertung
Richtig: C – Ursache klären
Warum?
- Durst kann Zeichen einer Hyperglykämie sein
- Dialysepatienten dürfen nicht unkontrolliert trinken
- falsches Handeln kann gefährlich werden
👉 erst Ursache klären, dann handeln
📝 Prüfungsfragen anzeigen
Prüfungsfragen
- Definieren Sie Hyperglykämie.
- Nennen Sie zwei Symptome.
- Nennen Sie zwei Maßnahmen bei Durst.
- Was ist Dialyse?
- Nennen Sie zwei Hautprobleme.
- Nennen Sie zwei Pflegeinterventionen.
- Warum ist Shunt-Schutz wichtig?
- Nennen Sie ein Pflegeziel.
🔍 Lösung anzeigen
Lösungen
Hyperglykämie
Eine Hyperglykämie ist ein erhöhter Blutzuckerspiegel über dem Normbereich.
Symptome
- Polyurie
- Müdigkeit
Maßnahmen bei Durst
- Mundpflege zur Linderung
- kleine Mengen im Rahmen der Vorgaben
Dialyse
Dialyse ist ein Verfahren zur künstlichen Blutreinigung, bei dem Stoffwechselprodukte und überschüssige Flüssigkeit entfernt werden.
Hautprobleme
- trockene Haut
- Juckreiz
Pflegeinterventionen
- Hautpflege
- Beobachtung
Shunt
Der Shunt ist ein lebenswichtiger Gefäßzugang und muss geschützt werden.
Ziel
Stabiler Stoffwechsel und sichere Flüssigkeitsbalance.
Pflegerische Maßnahmen (5-W-System)
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Die Pflegefachperson misst unmittelbar bei Auftreten des starken Durstgefühls den Blutzuckerwert mittels Blutzuckermessgerät, um eine mögliche Hyperglykämie frühzeitig zu erkennen und entsprechend handeln zu können.
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Die Pflegefachperson führt regelmäßig eine intensive Mundpflege mit befeuchtenden Tupfern oder Mundsprays durch, um das Durstgefühl zu lindern, ohne die Flüssigkeitsrestriktion zu überschreiten.
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Die Pflegefachperson bietet Herrn Wagner kleine Schlucke Flüssigkeit im Rahmen der ärztlich verordneten Trinkmenge an und dokumentiert die Gesamtzufuhr über den Tag, um eine Überwässerung zu vermeiden.
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Die Pflegefachperson pflegt die Haut täglich mit rückfettenden, feuchtigkeitsspendenden Pflegeprodukten, um die Hautbarriere zu stärken und den Juckreiz zu reduzieren.
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Die Pflegefachperson beobachtet kontinuierlich den Hautzustand sowie das Kratzverhalten und dokumentiert Veränderungen, um frühzeitig Komplikationen wie Hautverletzungen oder Infektionen zu erkennen.
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Die Pflegefachperson klärt Herrn Wagner regelmäßig über die Bedeutung der Flüssigkeitsrestriktion auf und erklärt verständlich die Zusammenhänge, um sein Verständnis und seine Mitarbeit im Alltag zu fördern.
Typische Fehler (Prüfung)
- Durst sofort mit Trinken beantworten
- Ursache nicht klären
- Flüssigkeitsrestriktion ignorieren
- nur symptomatisch handeln
- Hautprobleme unterschätzen
- fehlende Aufklärung
Merksatz
Durst kann ein Symptom sein, nicht nur ein Bedürfnis.