Fallbeispiel – Atemnot bei fortgeschrittener Herzinsuffizienz in der palliativen Betreuung

Symptomkontrolle, Kommunikation und Unterstützung von Angehörigen bei einer Patientin mit schwerer Herzschwäche.

Fall 1 von 35

Fallsituation

Sie arbeiten als Pflegefachperson in einem ambulanten spezialisierten Palliativteam.

Sie besuchen die 79-jährige Frau Lehmann zu Hause. Sie wird seit einigen Wochen palliativ betreut. Es besteht eine weit fortgeschrittene Herzinsuffizienz.

Beim Betreten des Wohnzimmers sehen Sie, dass Frau Lehmann deutlich kurzatmig ist. Sie sitzt im Sessel, atmet schnell und flach und erhält Sauerstoff über eine Nasenbrille.

Sie sagt leise:

„Es fühlt sich an, als würde mir ständig die Luft fehlen.“

Ihr Ehemann wirkt sehr besorgt. Er berichtet, dass seine Frau in der Nacht mehrfach wegen Atemnot aufgewacht ist.

👉 Sie befinden sich jetzt in einer typischen Prüfungssituation:

  • palliative Situation
  • ausgeprägte Dyspnoe
  • Angst und Belastung
  • Angehörige involviert

STOP. Erst denken.

🧠 Wie gehe ich an diesen Fall heran?

Zuerst bewerte ich die Situation.

Frau Lehmann zeigt:

  • schnelle, flache Atmung
  • subjektive Luftnot
  • Erschöpfung

👉 akutes Leiden durch Dyspnoe

Jetzt kommt der entscheidende Prüfpunkt:

👉 Palliativ = anderes Denken

Hier gilt nicht: → Ursache beheben

Sondern: → Symptom sofort lindern

Atemnot gehört zu den belastendsten Symptomen in der Palliativpflege.

Zusätzlich:

  • Angst verstärkt Atemnot
  • Atemnot verstärkt Angst

👉 Teufelskreis

Außerdem:

Der Ehemann ist verunsichert
→ braucht Anleitung

Meine Denkstruktur:

  1. Atemnot sofort lindern
  2. Angst reduzieren
  3. Belastung vermeiden
  4. Ruhe schaffen
  5. Angehörige einbeziehen

👉 Palliativ heißt: Lebensqualität sichern.


Prioritäten im Fall (prüfungsrelevant)

  1. Atemnot lindern → akutes Leiden reduzieren

  2. Angst reduzieren → Atemarbeit verbessern

  3. Ruhe schaffen → Belastung senken

  4. Angehörige einbeziehen → Sicherheit geben

  5. Lebensqualität erhalten → zentrales Ziel


Pflegeziele

  • Die Atemnot von Frau Lehmann ist innerhalb weniger Minuten nach Einleitung pflegerischer Maßnahmen subjektiv deutlich gelindert, erkennbar an ruhigerer Atmung und reduzierter Anspannung.

  • Frau Lehmann fühlt sich während der Versorgung sicherer und weniger ängstlich, erkennbar an verbaler Rückmeldung und ruhigerem Verhalten.

  • Die Atemsituation bleibt im weiteren Verlauf stabil, ohne weitere akute Verschlechterung.

  • Der Ehemann fühlt sich im Umgang mit Atemnot angeleitet und sicherer, sodass er unterstützend handeln kann.


Prüfungsentscheidung

Frau Lehmann sitzt kurzatmig im Sessel und wirkt angespannt.

Was ist Ihre erste pflegerische Maßnahme?

A) Vitalzeichen messen
B) atemerleichternde Position einnehmen lassen
C) Gespräch über Krankheitsverlauf beginnen
D) Bewegung anregen

✅ Antwort und Begründung anzeigen

Bewertung

Richtig: B – Atemerleichterung

👉 Klassischer Palliativ-Fall.

Warum?

  • Atemnot ist das dominante Symptom
  • sofortige Linderung hat Priorität
  • Lagerung wirkt direkt

👉 zuerst entlasten, dann alles andere

Warum die anderen Antworten falsch sind:

  • A (messen) → verzögert Linderung

  • C (Gespräch) → aktuell nicht passend

  • D (Bewegung) → verschlechtert Zustand

👉 Prüfungsregel: Linderung vor Diagnostik.


📝 Prüfungsfragen anzeigen

Prüfungsfragen

  1. Beschreiben Sie zwei pflegerische Probleme.

  2. Nennen Sie drei typische Symptome der Herzinsuffizienz.

  3. Formulieren Sie eine Pflegediagnose.

  4. Nennen Sie zwei Pflegeziele.

  5. Planen Sie vier Maßnahmen zur Linderung der Atemnot.

  6. Welche Bedeutung hat die Lagerung?

  7. Welche Rolle spielen Angehörige?

  8. Warum ist Symptomkontrolle zentral?


🔍 Lösung anzeigen

Lösungen

Pflegerische Probleme

Ein zentrales Problem ist die ausgeprägte Dyspnoe mit subjektivem Luftmangel und erhöhter Atemarbeit.

Ein weiteres Problem ist die Angst, die die Atemnot verstärkt und zu zusätzlicher Belastung führt.


Symptome

  • Atemnot
  • schnelle, flache Atmung
  • Ödeme

Pflegediagnose

Beeinträchtigte Atmung im Zusammenhang mit fortgeschrittener Herzinsuffizienz, erkennbar an Dyspnoe, erhöhter Atemfrequenz und subjektivem Luftmangel.


Pflegeziele

  • Die Atemnot wird subjektiv deutlich gelindert.

  • Die Patientin fühlt sich sicherer und weniger ängstlich.


Maßnahmen

  • Die Pflegefachperson bringt Frau Lehmann unmittelbar bei Auftreten der Atemnot in eine atemerleichternde Position, zum Beispiel Oberkörperhochlagerung oder Kutschersitz, um die Atemmechanik zu verbessern und die Atemarbeit zu erleichtern.

  • Die Pflegefachperson sorgt während der gesamten Situation für eine ruhige, reizreduzierte Umgebung und spricht ruhig mit der Patientin, um Angst zu reduzieren und den Teufelskreis aus Angst und Atemnot zu durchbrechen.

  • Die Pflegefachperson leitet Frau Lehmann bei stabiler Situation zu atemerleichternden Techniken wie der Lippenbremse an und unterstützt diese Durchführung, um die Ausatmung zu verlängern und die Atmung zu erleichtern.

  • Die Pflegefachperson bleibt kontinuierlich bei der Patientin präsent und vermittelt Sicherheit durch ruhige Kommunikation und körperliche Nähe, um subjektives Sicherheitsempfinden zu stärken.

  • Die Pflegefachperson bezieht den Ehemann aktiv ein, erklärt ihm die Maßnahmen und zeigt ihm, wie er seine Frau unterstützen kann, damit er Sicherheit gewinnt und im Alltag entlastend wirken kann.


Lagerung

Die Lagerung verbessert die Atemmechanik, entlastet das Zwerchfell und reduziert die Atemarbeit.


Angehörige

Angehörige geben emotionale Sicherheit und können aktiv zur Unterstützung beitragen, wenn sie angeleitet werden.


Symptomkontrolle

In der Palliativpflege steht die Linderung von Beschwerden im Vordergrund, da keine kurative Therapie mehr möglich ist.

👉 Ziel ist Lebensqualität.


Typische Fehler (Prüfung)

  • kurativ denken statt palliativ
  • zuerst messen statt lindern
  • Atemnot unterschätzen
  • Angst ignorieren
  • Patient überfordern
  • Angehörige nicht einbeziehen

Merksatz

In der Palliativpflege zählt Linderung vor Diagnostik.

So gehst du sinnvoll weiter