Fallbeispiel – Kolostoma und Kreislaufinstabilität nach Bauchoperation
Postoperative Versorgung, sichere Mobilisation und Umgang mit psychischer Belastung nach Stomaanlage.
Fallsituation
Sie arbeiten als Pflegefachperson auf einer chirurgischen Station.
Die 52-jährige Frau Keller wurde vor 2 Tagen aufgrund eines Darmverschlusses operiert. Dabei wurde ein Tumor im Dickdarm festgestellt und ein Kolostoma angelegt.
Frau Keller hat einen zentralvenösen Katheter und erhält Infusionen sowie Schmerzmedikation. Zusätzlich ist Morphin als Bedarfsmedikation verordnet.
Sie wirkt angespannt und vermeidet den Blick auf ihr Stoma.
Im Gespräch sagt sie:
„Ich kann das nicht anschauen… so kann ich nicht leben.“
Die Vitalwerte zeigen:
Blutdruck 95/65 mmHg, Puls 110/min.
Sie klagt über Schmerzen (NRS 6) und möchte anschließend aufstehen.
Beim Aufsetzen an die Bettkante wird ihr schwindelig. Beim Aufstehen sackt sie zusammen.
👉 Sie befinden sich jetzt in einer typischen Prüfungssituation:
- postoperative Patientin
- Kreislaufinstabilität
- Schmerz
- Mobilisationswunsch
- psychische Belastung
🧠 Wie gehe ich an diesen Fall heran?
Zuerst bewerte ich die akute Situation.
Frau Keller zeigt:
- niedrigen Blutdruck
- erhöhten Puls
- Schwindel
- Kollaps beim Aufstehen
👉 klare Zeichen einer Kreislaufinstabilität
→ akutes Risiko für Sturz und Kollaps
👉 Kreislauf hat oberste Priorität
Typischer Prüfungsfehler:
Viele gehen sofort in:
→ Schmerz
→ Mobilisation
👉 falsch, weil nicht priorisiert
Weitere Probleme:
- Schmerzen (NRS 6)
- Wunsch nach Mobilisation
- psychische Belastung durch Stoma
👉 aber aktuell nicht lebensbedrohlich
Meine Denkstruktur ist:
- Kreislauf stabilisieren
- Mobilisation sofort stoppen
- Patient sichern
- danach Schmerz behandeln
- psychische Situation berücksichtigen
👉 Reihenfolge entscheidet über Punkte
Prioritäten im Fall (prüfungsrelevant)
-
Kreislauf stabilisieren → Kollaps verhindern
-
Patient sichern → Sturz vermeiden
-
Mobilisation stoppen → Überforderung verhindern
-
Schmerz behandeln → Belastung reduzieren
-
psychische Reaktion begleiten → Anpassung unterstützen
Pflegeziele
-
Der Kreislauf von Frau Keller ist innerhalb der nächsten Stunden stabilisiert, erkennbar an normnahen Vitalwerten ohne Schwindel oder Kollaps bei Lageveränderung.
-
Frau Keller bleibt während des gesamten Aufenthalts sturzfrei und zeigt ein sicheres Verhalten bei Lagewechseln.
-
Die Schmerzen von Frau Keller sind innerhalb von 30–60 Minuten nach Intervention auf einen Wert von ≤ 3 auf der NRS reduziert.
-
Frau Keller beginnt innerhalb von 3 Tagen, sich schrittweise mit ihrem Stoma auseinanderzusetzen und kann erste Informationen zur Versorgung annehmen.
Prüfungsentscheidung
Frau Keller möchte trotz Beschwerden aufstehen.
Was ist jetzt die wichtigste pflegerische Maßnahme?
✅ Antwort und Begründung anzeigen
Bewertung
Richtig: C – Kreislauf stabilisieren
👉 Klassischer Prioritäten-Fall
Warum?
- Vitalwerte zeigen Instabilität
- Symptome bestätigen Kollapsrisiko
- Mobilisation aktuell gefährlich
👉 zuerst stabilisieren, dann handeln
Warum die anderen falsch sind:
-
A (mobilisieren)
→ erhöht Sturzrisiko -
B (Schmerz + mobilisieren)
→ Kreislaufproblem bleibt -
D (Angehörige)
→ nicht prioritätsgerecht
👉 Prüfungsregel:
Das akut Gefährliche zuerst.
🔍 Lösung anzeigen
Lösungen
Pflegediagnose
-
Risiko für Kreislaufinstabilität im Zusammenhang mit postoperativem Zustand, erkennbar an Hypotonie, Tachykardie und Schwindel.
-
Gestörtes Körperbild im Zusammenhang mit der Stomaanlage, erkennbar an Ablehnung und Vermeidung.
Maßnahmen
-
Die Pflegefachperson überprüft sofort die Vitalzeichen von Frau Keller, insbesondere Blutdruck und Puls, durch kontinuierliches Monitoring, um die Kreislaufsituation einzuschätzen und eine Verschlechterung frühzeitig zu erkennen, unmittelbar bei Auftreten der Symptome.
-
Die Pflegefachperson stoppt die Mobilisation und lagert Frau Keller sicher zurück ins Bett, vorzugsweise in flacher oder leicht erhöhter Position, um den Kreislauf zu stabilisieren und einen weiteren Kollaps zu verhindern, sofort bei Auftreten von Schwindel oder Instabilität.
-
Die Pflegefachperson sichert Frau Keller durch engmaschige Beobachtung und Anwesenheit, um Stürze zu vermeiden und bei erneuter Instabilität sofort reagieren zu können, während der gesamten akuten Phase.
-
Die Pflegefachperson verabreicht nach ärztlicher Anordnung eine geeignete Schmerzmedikation, beispielsweise Morphin, und überprüft anschließend die Wirkung anhand der Schmerzskala, um die Belastung durch Schmerzen zu reduzieren, zeitnah nach Stabilisierung des Kreislaufs.
-
Die Pflegefachperson spricht Frau Keller ruhig an und nimmt ihre Ängste bezüglich des Stomas ernst, erklärt die Situation verständlich und bietet schrittweise Unterstützung im Umgang mit dem Stoma an, um die psychische Belastung zu reduzieren, im Verlauf der weiteren Pflege.
Risikofaktoren für Darmkrebs
Typische Risikofaktoren sind eine ballaststoffarme Ernährung, Bewegungsmangel und Rauchen.
Unterschied Kolostoma / Ileostoma
Ein Kolostoma wird im Dickdarm angelegt und der Stuhl ist meist geformt.
Ein Ileostoma wird im Dünndarm angelegt und der Stuhl ist flüssiger und aggressiver für die Haut.
Nebenwirkungen von Morphin
Typische Nebenwirkungen sind Obstipation und Übelkeit.
ZVK
Wichtige Aspekte sind aseptisches Arbeiten sowie die regelmäßige Kontrolle der Einstichstelle auf Entzündungszeichen.
Symptome eines drohenden Kollapses
Typische Symptome sind Schwindel, Tachykardie, Blässe und Schwäche.
Bewertung der Mobilisation
Eine Mobilisation ist aktuell kontraindiziert, da eine Kreislaufinstabilität besteht.
Sie darf erst nach Stabilisierung und unter Sicherung durchgeführt werden.
Typische Fehler (Prüfung)
- Mobilisation trotz Instabilität
- Schmerz vor Kreislauf priorisieren
- Vitalwerte ignorieren
- Wunsch über Sicherheit stellen
- keine klare Reihenfolge
- psychische Belastung übersehen
Merksatz
Stabilität vor Mobilisation, Sicherheit vor Wunsch.