Fallbeispiel – Sturzereignis bei einer Patientin mit Multipler Sklerose

Sturzrisiko, Mobilität und Unterstützung im Alltag bei einer Patientin mit chronischer neurologischer Erkrankung.

Fall 1 von 35

Fallsituation

Sie arbeiten als Pflegefachperson in einem ambulanten Pflegedienst.

Sie besuchen die 47-jährige Frau Berger, die seit mehreren Jahren an Multipler Sklerose erkrankt ist.

Beim Betreten der Wohnung wirkt sie erschöpft. Sie berichtet, dass sie am Morgen im Badezimmer gestürzt ist. Beim Aufstehen aus der Dusche habe sie plötzlich das Gleichgewicht verloren.

Sie sagt:

„Manchmal fühlen sich meine Beine einfach kraftlos an.“

Beim Gehen fällt Ihnen ein unsicherer Gang auf. Frau Berger stützt sich häufig an Möbeln ab und berichtet, dass sie in letzter Zeit schneller ermüdet.

👉 Sie befinden sich jetzt in einer typischen Prüfungssituation:

  • Sturzereignis
  • unsicherer Gang
  • neurologische Erkrankung
  • Fatigue
  • unsichere Mobilität

STOP. Erst denken.

🧠 Wie gehe ich an diesen Fall heran?

Nicht sofort Maßnahmen raushauen.

👉 Erst klären: Warum ist sie gestürzt?

Frau Berger:

  • ist gestürzt
  • läuft unsicher
  • ermüdet schnell

👉 das ist kein Zufall

akutes Sturzrisiko besteht weiter

Typischer Fehler: Viele machen sofort: → Training → Beratung

👉 falsch ohne Einschätzung

Wichtig bei MS:

  • Muskelschwäche
  • Gleichgewichtsstörung
  • Fatigue

👉 Kombination = hohes Risiko

Zusätzlich:

  • Abstützen an Möbeln → unsichere Kompensation

Meine Denkstruktur:

  1. Sturzrisiko einschätzen
  2. Ursachen analysieren
  3. Umgebung prüfen
  4. sichere Mobilität ermöglichen
  5. Belastung steuern (Fatigue)

👉 erst verstehen, dann handeln


Prioritäten im Fall (prüfungsrelevant)

  1. Sturzrisiko einschätzen → akute Gefahr erkennen

  2. Mobilität sichern → nicht einschränken

  3. Fatigue berücksichtigen → Überforderung vermeiden

  4. Umgebung anpassen → Sicherheit erhöhen


Pflegeziele

  • Frau Berger kann sich innerhalb der nächsten 7 Tage in ihrer Wohnung sicherer bewegen, ohne sich an Möbeln abstützen zu müssen oder erneut zu stürzen.

  • Das individuelle Sturzrisiko von Frau Berger wird noch im heutigen Hausbesuch vollständig eingeschätzt und die wichtigsten Gefahrenquellen in der Wohnung werden bis zum nächsten Besuch reduziert.

  • Frau Berger nutzt innerhalb von 3 Tagen empfohlene Hilfsmittel und sichere Bewegungsstrategien nachvollziehbar im Alltag, um ihre Mobilität zu erhalten und gleichzeitig Stürze zu vermeiden.

  • Frau Berger berücksichtigt im Verlauf der nächsten Woche bewusst ihre Fatigue, indem sie Belastung und Ruhephasen besser einteilt und Überforderung reduziert.


Prüfungsentscheidung

Frau Berger berichtet von einem Sturz und zeigt einen unsicheren Gang.

Was ist Ihre erste pflegerische Maßnahme?

A) Bewegung stark einschränken
B) Sturzrisiko einschätzen und Maßnahmen einleiten
C) Patientin allein lassen
D) sofort Training starten

✅ Antwort und Begründung anzeigen

Bewertung

Richtig: B – Sturzrisiko einschätzen

👉 Klassiker Pflegeprozess.

Warum?

  • Sturz = Warnsignal
  • Risiko besteht weiter
  • Ursache unklar

👉 ohne Einschätzung keine richtige Maßnahme

Warum die anderen falsch sind:

  • A (Bewegung einschränken) → führt zu Abbau

  • C (allein lassen) → erhöht Risiko

  • D (Training starten) → falscher Zeitpunkt

👉 Prüfungsregel: Erst einschätzen, dann handeln.


📝 Prüfungsfragen anzeigen

Prüfungsfragen

  1. Nennen Sie zwei Pflegeprobleme.

  2. Nennen Sie drei Ursachen für Stürze bei MS.

  3. Formulieren Sie eine Pflegediagnose.

  4. Nennen Sie zwei Pflegeziele.

  5. Nennen Sie vier Maßnahmen.

  6. Nennen Sie typische Symptome bei MS.

  7. Welche Wohnraumanpassungen helfen?

  8. Warum ist Selbstständigkeit wichtig?


🔍 Lösung anzeigen

Lösungen

Pflegeprobleme

Ein zentrales Pflegeproblem ist das erhöhte Sturzrisiko im Zusammenhang mit unsicherem Gang, Gleichgewichtsstörungen und wiederholter schneller Ermüdung.

Ein weiteres Pflegeproblem ist die beeinträchtigte Mobilität, da Frau Berger ihre Bewegungen nur unsicher ausführen kann und bereits auf instabile Kompensationsstrategien wie das Abstützen an Möbeln zurückgreift.


Ursachen für Stürze bei Multipler Sklerose

Typische Ursachen für Stürze bei Multipler Sklerose sind Muskelschwäche, insbesondere in den Beinen, Gleichgewichts- und Koordinationsstörungen sowie Fatigue, also eine krankheitsbedingte schnelle Erschöpfung.

Diese Faktoren treten oft gleichzeitig auf und erhöhen zusammen das Risiko für ein Sturzereignis deutlich.


Pflegediagnose

Beeinträchtigte Mobilität im Zusammenhang mit neurologischen Einschränkungen durch Multiple Sklerose, erkennbar an unsicherem Gang, Sturzereignis, schneller Ermüdung und Abstützen an Möbeln.


Pflegeziele

  • Frau Berger bewegt sich sicherer in ihrer häuslichen Umgebung und bleibt möglichst selbstständig.

  • Weitere Stürze werden durch gezielte Anpassungen, Hilfsmittel und eine strukturierte Pflegeplanung vermieden.


Maßnahmen

  • Die Pflegefachperson führt noch während des Hausbesuchs eine strukturierte Sturzrisikoeinschätzung mit Beobachtung von Gangbild, Gleichgewicht und bisherigen Sturzumständen durch, um individuelle Risikofaktoren zu erkennen und passende Maßnahmen abzuleiten.

  • Die Pflegefachperson überprüft gemeinsam mit Frau Berger die Wohnung unmittelbar im Anschluss an das Gespräch auf Stolperfallen wie Teppiche, ungeeignete Laufwege oder fehlende Haltemöglichkeiten, um Gefahrenquellen im Alltag zu reduzieren.

  • Die Pflegefachperson berät Frau Berger im Verlauf des Besuchs zu einer sicheren Mobilisation und zum sinnvollen Einsatz geeigneter Hilfsmittel, damit sie ihre Selbstständigkeit erhalten kann, ohne das Sturzrisiko zu erhöhen.

  • Die Pflegefachperson plant mit Frau Berger feste Ruhephasen und eine angepasste Belastungssteuerung im Tagesablauf, um Fatigue zu berücksichtigen und Überforderung als Auslöser weiterer Stürze zu vermeiden.

  • Die Pflegefachperson überprüft bei den folgenden Besuchen regelmäßig, ob die vereinbarten Anpassungen umgesetzt werden und ob sich das Gangbild oder die Sicherheit beim Gehen verbessert haben, um die Pflegeplanung bei Bedarf anzupassen.


Typische Symptome bei MS

Typische Symptome bei Multipler Sklerose sind Muskelschwäche, Koordinations- und Gleichgewichtsstörungen, Sensibilitätsstörungen sowie Fatigue.

Je nach Verlauf können die Beschwerden schwanken und in ihrer Ausprägung unterschiedlich stark sein.


Wohnraumanpassungen

Hilfreich sind das Entfernen von Teppichen und losen Stolperquellen, das Anbringen von Haltegriffen, besonders im Badezimmer, sowie eine gute Beleuchtung in allen Laufbereichen.

Diese Veränderungen erhöhen die Sicherheit, ohne die Mobilität unnötig einzuschränken.


Bedeutung der Selbstständigkeit

Selbstständigkeit ist wichtig, weil sie Lebensqualität, Selbstwertgefühl und Alltagskompetenz erhält.

Eine unnötige Einschränkung von Bewegung kann langfristig zu körperlichem Abbau, mehr Abhängigkeit und weiterer Unsicherheit führen.

👉 Ziel ist daher: Sicherheit erhöhen, ohne Mobilität zu zerstören.


Typische Fehler (Prüfung)

  • Bewegung einschränken
  • Sturz ignorieren
  • Fatigue unterschätzen
  • keine Analyse
  • Umgebung vergessen
  • falsche Priorität

Merksatz

Stürze analysieren, nicht verhindern durch Stillstand.

So gehst du sinnvoll weiter