Fallbeispiel – Akutes Abdomen und Priorisierung in der Notaufnahme

Einschätzung eines kritisch kranken Patienten, Schmerzanamnese und Priorisierung im Notfall.

Fall 1 von 35

Fallsituation

Sie arbeiten als Pflegefachperson in der Notaufnahme.

Der 60-jährige Herr Brandt wird durch den Rettungsdienst eingeliefert. Er wurde auf der Straße mit starken Bauchschmerzen aufgefunden.

Bereits beim ersten Blick fällt Ihnen auf:

  • blass
  • kurzatmig
  • angespannte Bauchdecke

Die Vitalwerte:

  • Puls: 135/min
  • Blutdruck: 85/55 mmHg
  • Temperatur: 39 °C

Herr Brandt sagt plötzlich:

„Mir geht es schon besser… ich gehe jetzt wieder.“

👉 Typische Prüfungssituation:

  • akute Kreislaufinstabilität
  • möglicher Schock
  • akutes Abdomen
  • Selbstgefährdung

STOP. Erst denken.

🧠 Wie gehe ich an diesen Fall heran?

Nicht diskutieren. Erst erkennen.

Die Vitalwerte zeigen:

  • Tachykardie
  • Hypotonie
  • Fieber

👉 Das ist keine normale Situation

→ Hinweis auf Schock

Zusätzlich:

  • harte Bauchdecke
    → typisches Zeichen für akutes Abdomen

👉 mögliche Ursachen:

  • Perforation
  • Ileus
  • Entzündung

→ alle lebensbedrohlich

Wichtig:

Der Patient sagt: → „Ich gehe“

👉 das ist gefährlich

→ möglicherweise:

  • Schmerzveränderung
  • Schockphase
  • eingeschränkte Einsicht

👉 typischer Prüfungsfehler: → Patientenwunsch akzeptieren

👉 das ist falsch

Meine Denkstruktur:

  1. Lebensgefahr erkennen (Schock!)
  2. akutes Abdomen vermuten
  3. Vitalfunktionen sichern
  4. Patient schützen
  5. sofort handeln

👉 Priorität ist eindeutig: Überleben vor Autonomie


Prioritäten im Fall (prüfungsrelevant)

  1. Kreislauf sichern
    → Lebensgefahr

  2. akutes Abdomen abklären
    → Ursache erkennen

  3. Patient am Gehen hindern
    → Selbstgefährdung

  4. sofortige Versorgung einleiten
    → Zeit kritisch


Pflegeziele

  • Der Kreislauf von Herrn Brandt stabilisiert sich innerhalb der ersten 30 Minuten der Versorgung, erkennbar an einem systolischen Blutdruck über 100 mmHg und einer Herzfrequenz unter 100/min.

  • Herr Brandt bleibt während der gesamten Notfallsituation in der Notaufnahme und wird nicht eigenständig entlassen, sodass eine sichere medizinische Versorgung gewährleistet ist.

  • Eine Verschlechterung des Allgemeinzustands wird durch kontinuierliche Überwachung frühzeitig erkannt und es erfolgt eine sofortige Reaktion des Behandlungsteams.

  • Herr Brandt wird über seinen Zustand verständlich aufgeklärt und zeigt im Verlauf Einsicht in die Notwendigkeit der Behandlung.


Prüfungsentscheidung

Herr Brandt möchte die Notaufnahme verlassen.

Wie reagieren Sie fachlich korrekt?

A) gehen lassen
B) ignorieren
C) aufklären und Verbleib sichern
D) kommentarlos akzeptieren

✅ Antwort und Begründung anzeigen

Bewertung

Richtig: C – Aufklären und sichern

Warum?

  • lebensbedrohlicher Zustand
  • mögliche eingeschränkte Einsicht
  • akute Selbstgefährdung

👉 Pflegepflicht:

  • Gefahr erkennen
  • Schaden verhindern
  • handeln

Warum die anderen falsch sind:

  • A (gehen lassen)
    → lebensgefährlich

  • B (ignorieren)
    → unprofessionell

  • D (akzeptieren)
    → verletzt Fürsorgepflicht

👉 Prüfungsregel:
Instabiler Patient verlässt die Situation nicht.


📝 Prüfungsfragen anzeigen

Prüfungsfragen

  1. Nennen Sie die auffälligen Vitalwerte.
  2. Was ist ein akutes Abdomen?
  3. Nennen Sie zwei Ursachen.
  4. Nennen Sie zwei Sofortmaßnahmen.
  5. Was gehört zur Schmerzanamnese?
  6. Was ist Triage?
  7. Nennen Sie zwei ethische Prinzipien.
  8. Warum ist Beobachtung wichtig?

🔍 Lösung anzeigen

Lösungen

Vitalwerte

  • Tachykardie (135/min) als Zeichen einer Kreislaufkompensation
  • Hypotonie (85/55 mmHg) als Hinweis auf Schock
  • Fieber (39 °C) als Hinweis auf Entzündung oder Infektion

Akutes Abdomen

Ein akutes Abdomen beschreibt plötzlich auftretende, starke Bauchschmerzen mit möglicher lebensbedrohlicher Ursache und erfordert eine sofortige medizinische Abklärung.


Ursachen

  • Ileus (Darmverschluss)
  • Perforation eines Hohlorgans

Maßnahmen

  • Die Pflegefachperson überwacht die Vitalzeichen von Herrn Brandt kontinuierlich mittels Monitoring unmittelbar nach Aufnahme und während der gesamten Versorgung, um eine Kreislaufinstabilität frühzeitig zu erkennen und darauf reagieren zu können.

  • Die Pflegefachperson informiert den zuständigen ärztlichen Dienst sofort nach Ersteinschätzung über den kritisch instabilen Zustand des Patienten, damit umgehend diagnostische und therapeutische Maßnahmen eingeleitet werden können.

  • Die Pflegefachperson sorgt dafür, dass Herr Brandt die Notaufnahme nicht eigenständig verlässt, indem sie ihn begleitet und beobachtet, um eine akute Selbstgefährdung zu verhindern.

  • Die Pflegefachperson klärt Herrn Brandt in ruhiger und verständlicher Weise über die Lebensgefahr seines Zustands auf, sobald es die Situation zulässt, um Einsicht zu fördern und die Mitarbeit zu verbessern.


Schmerz

  • Schmerzintensität (z. B. Skala)
  • Lokalisation und Ausstrahlung

Triage

Triage ist die strukturierte Einteilung von Patienten nach der Dringlichkeit ihrer Behandlung, wobei lebensbedrohliche Zustände immer Vorrang haben.


Ethik

  • Fürsorgeprinzip (Benefizienz): Förderung des Wohls des Patienten
  • Nichtschadensprinzip (Non-Malefizienz): Vermeidung von Schaden

Beobachtung

Der Zustand von Herrn Brandt kann sich jederzeit verschlechtern, daher ermöglicht nur eine kontinuierliche Beobachtung ein rechtzeitiges Erkennen und Eingreifen bei Komplikationen.


Typische Fehler (Prüfung)

  • Vitalwerte unterschätzen
  • Schock nicht erkennen
  • Patientenwunsch falsch gewichten
  • zu spät handeln
  • keine Priorität setzen
  • Patient nicht sichern

Merksatz

Instabiler Patient bleibt, auch wenn er gehen will.

So gehst du sinnvoll weiter