Fallbeispiel – Frakturversorgung und Aufklärung bei einem Jugendlichen
Präoperative Vorbereitung, Kommunikation und kindgerechte Pflege bei einem Jugendlichen mit Fraktur.
Fallsituation
Sie arbeiten als Pflegefachperson auf einer chirurgischen Kinderstation.
Der 15-jährige Tim wurde nach einem Sportunfall aufgenommen. Er hat sich eine Unterschenkelfraktur zugezogen, die operativ versorgt werden soll.
Das betroffene Bein ist ruhiggestellt. Über einen venösen Zugang erhält Tim Schmerzmittel.
Beim Kontakt fällt auf, dass Tim angespannt und unruhig wirkt. Er stellt gezielte Fragen:
„Warum muss ich operiert werden? Und warum bekomme ich eine Spritze?“
Seine Mutter ist anwesend, kann sich jedoch nur eingeschränkt auf Deutsch verständigen. Eine direkte Kommunikation ist erschwert.
Zusätzlich äußert Tim, dass er großen Hunger hat und nicht versteht, warum er nichts essen darf.
👉 Sie befinden sich jetzt in einer typischen Prüfungssituation:
- präoperative Vorbereitung
- Wissensdefizit
- Angst und Unsicherheit
- Thromboseprophylaxe
- Nüchternheit
- Sprachbarriere bei Angehörigen
🧠 Wie gehe ich an diesen Fall heran?
Nicht zuerst abwimmeln, nicht zuerst einfach durchführen, nicht zuerst nur beruhigen.
👉 Erst erkennen: Was braucht Tim jetzt, damit er sicher mitarbeiten kann?
Tim zeigt:
- akute Verletzung
- bevorstehende Operation
- eingeschränkte Beweglichkeit
- gezielte Fragen
- Anspannung und Unruhe
- fehlendes Verständnis für Nüchternheit und Heparin-Injektion
👉 Das spricht für ein deutliches Wissensdefizit mit beginnender Angst.
Der geäußerte Hunger ist ebenfalls prüfungsrelevant.
👉 Tim versteht die präoperative Nüchternheit nicht.
Wenn er den Grund nicht versteht, kann es passieren, dass er die Maßnahme nicht einhält.
Die Heparin-Injektion ist ebenfalls wichtig.
👉 Durch Fraktur, Ruhigstellung und Operation besteht ein erhöhtes Thromboserisiko.
Zusätzlich besteht eine Sprachbarriere bei der Mutter.
👉 Dadurch kann sie Tim nur eingeschränkt unterstützen, wenn keine geeignete Verständigung organisiert wird.
Meine Denkstruktur ist:
- Informationsdefizit erkennen
- Ängste wahrnehmen und ernst nehmen
- altersgerecht erklären
- Nüchternheit und Thromboseprophylaxe verständlich machen
- Mutter trotz Sprachbarriere einbeziehen
- Verständnis überprüfen
Prioritäten im Fall (prüfungsrelevant)
-
Verständliche Aufklärung sicherstellen
→ Grundlage für Kooperation und Vertrauen -
Ängste erkennen und reduzieren
→ emotionale Stabilität fördern -
Thromboseprophylaxe erklären
→ Akzeptanz der Maßnahme sichern -
Präoperative Maßnahmen verständlich machen
→ z. B. Nüchternheit erklären -
Kommunikation mit Angehörigen sichern
→ Sprachbarrieren aktiv berücksichtigen
Pflegeziele
-
Tim beschreibt vor der Operation in eigenen Worten, warum die Operation, die Nüchternheit und die Thromboseprophylaxe notwendig sind.
-
Tim wirkt im Verlauf der präoperativen Vorbereitung ruhiger, stellt gezielt Fragen und beteiligt sich aktiv an Gesprächen und Maßnahmen.
-
Tim akzeptiert die Heparin-Injektion und lässt diese ohne Widerstand durchführen.
-
Die Mutter versteht mithilfe geeigneter Unterstützung die wesentlichen Inhalte der Behandlung und kann diese nachvollziehen.
Prüfungsentscheidung
Tim versteht nicht, warum er eine Heparin-Injektion erhält.
Wie reagieren Sie fachlich korrekt?
✅ Antwort und Begründung anzeigen
Bewertung
Richtig: C – verständlich erklären, warum die Spritze notwendig ist
Tim zeigt deutlich, dass er die Situation nicht versteht.
Ohne Erklärung entstehen:
- Unsicherheit
- Angst
- mögliche Ablehnung der Maßnahme
- fehlende Mitarbeit
Eine verständliche Aufklärung:
- fördert das Verständnis
- stärkt das Vertrauen in die Pflege
- verbessert die Mitarbeit des Patienten
- senkt Angst und Widerstand
Gerade bei Jugendlichen ist es wichtig, sie ernst zu nehmen und aktiv einzubeziehen.
Falsche Antworten:
- A → vermittelt keine echte Information und wirkt abweisend
- B → enthält keine Begründung und fördert kein Verständnis
- D → ignoriert das Informationsbedürfnis des Patienten
👉 Prüfungsregel:
Erklären vor Durchführen
📝 Prüfungsfragen anzeigen
Prüfungsfragen
- Warum ist eine Thromboseprophylaxe bei Tim notwendig?
- Welche Risiken bestehen bei einer Gipsruhigstellung?
- Beschreiben Sie zwei pflegerische Probleme in diesem Fall.
- Formulieren Sie eine passende Pflegediagnose.
- Nennen Sie zwei realistische Pflegeziele.
- Wie sollte die Kommunikation mit Jugendlichen gestaltet werden?
- Warum ist der Einsatz eines Dolmetschers sinnvoll?
- Nennen Sie zwei Möglichkeiten zur Beschäftigung während des Krankenhausaufenthalts.
🔍 Lösung anzeigen
Lösungen
Thromboseprophylaxe
Eine Thromboseprophylaxe ist notwendig, weil Tim sein Bein durch die Fraktur und Ruhigstellung nur eingeschränkt bewegen kann. Dadurch verlangsamt sich der venöse Blutfluss.
Wenn Blut langsamer fließt, steigt das Risiko, dass sich ein Blutgerinnsel bildet.
Zusätzlich erhöht eine Operation die Gerinnungsneigung des Blutes.
Die Heparin-Injektion hemmt die Blutgerinnung und senkt dadurch das Risiko für Thrombosen und mögliche Komplikationen wie eine Lungenembolie.
Risiken bei Gipsbehandlung
Ein Gips kann die Durchblutung beeinträchtigen, wenn er zu eng sitzt. Hinweise darauf können zunehmende Schmerzen, Schwellung, Blässe, Kältegefühl oder Taubheitsgefühle sein.
Außerdem besteht das Risiko von Druckstellen, Hautschäden oder Sensibilitätsstörungen.
Deshalb sind regelmäßige Kontrollen von Durchblutung, Motorik, Sensibilität, Hautzustand und Schmerzen notwendig.
Pflegerische Probleme
Ein wesentliches pflegerisches Problem ist das Wissensdefizit. Tim versteht die Operation, die Nüchternheit und die Heparin-Injektion nicht ausreichend.
Ein weiteres pflegerisches Problem ist Angst und Unsicherheit. Diese entstehen durch die ungewohnte Situation, die bevorstehende Operation, die eingeschränkte Beweglichkeit und die unklaren Informationen.
Pflegediagnose
Wissensdefizit im Zusammenhang mit unzureichender Information über präoperative Maßnahmen, erkennbar an wiederholten Fragen zur Operation, zur Heparin-Injektion und zum Nüchternbleiben.
Pflegeziele
Ein realistisches Pflegeziel ist, dass Tim vor der Operation in eigenen Worten erklären kann, warum die Operation, die Nüchternheit und die Thromboseprophylaxe notwendig sind.
Ein weiteres Ziel ist, dass Tim im Verlauf der präoperativen Vorbereitung ruhiger wirkt, Fragen stellt und Maßnahmen kooperativ zulässt.
Maßnahmen
-
Die Pflegefachperson klärt Tim vor der Operation altersgerecht über den Ablauf der Operation, die Nüchternheit und die Thromboseprophylaxe auf, indem sie einfache Sprache verwendet und gezielt auf seine Fragen eingeht, um Verständnis zu fördern und Angst zu reduzieren.
-
Die Pflegefachperson erklärt Tim vor der Durchführung die Heparin-Injektion verständlich, indem sie den Zusammenhang zwischen Ruhigstellung, Operation und Thromboserisiko erläutert, um die Akzeptanz der Maßnahme zu fördern und Komplikationen vorzubeugen.
-
Die Pflegefachperson überprüft direkt nach der Erklärung das Verständnis von Tim, indem sie ihn in eigenen Worten wiedergeben lässt, was er verstanden hat, um Wissensdefizite zu erkennen und gezielt nachzuerklären.
-
Die Pflegefachperson erklärt Tim vor der Operation den Grund für das Nüchternbleiben, indem sie das Risiko einer Aspiration bei Narkose verständlich beschreibt, um die Einhaltung der Maßnahme sicherzustellen.
-
Die Pflegefachperson organisiert bei sprachlichen Verständigungsproblemen zeitnah einen Dolmetscher oder geeignete Übersetzungshilfen, um die Mutter sicher einzubeziehen und Missverständnisse zu vermeiden.
-
Die Pflegefachperson geht während der gesamten präoperativen Betreuung aktiv auf Fragen und Ängste von Tim ein, indem sie zuhört, Emotionen ernst nimmt und ruhig reagiert, um Vertrauen aufzubauen und Kooperation zu fördern.
Kommunikation mit Jugendlichen
Jugendliche benötigen eine klare, ehrliche und altersgerechte Kommunikation. Fachbegriffe sollten vermieden oder verständlich erklärt werden.
Wichtig ist, dass ihre Fragen ernst genommen werden und sie aktiv in Gespräche einbezogen werden.
So entstehen Vertrauen, Verständnis und Mitarbeit.
Dolmetscher
Ein Dolmetscher ist sinnvoll, damit wichtige Informationen zur Behandlung sicher und vollständig an die Mutter übermittelt werden können.
Dadurch kann die Mutter die Situation besser verstehen, Tim angemessen unterstützen und in Gespräche einbezogen werden.
Beschäftigungsmöglichkeiten
Geeignet sind zum Beispiel altersgerechte digitale Angebote wie Spiele, Videos oder Musik, da sie kurzfristig ablenken und Wartezeiten erleichtern können.
Auch Gespräche, Bücher oder andere altersgerechte Beschäftigungsmaterialien helfen, Anspannung zu reduzieren und die Situation besser zu bewältigen.
Typische Fehler (Prüfung)
- fehlende oder unverständliche Aufklärung
- Angst des Jugendlichen nicht ernst nehmen
- Sprachbarrieren ignorieren
- Maßnahmen ohne Erklärung durchführen
- Angehörige nicht einbeziehen
- Nüchternheit nicht erklären
Merksatz
Verstehen führt zu Mitarbeit, Aufklärung ist der Schlüssel dazu.