Fallbeispiel – Schmerz, Atemnot und existenzielle Belastung in der Palliativpflege

Symptomkontrolle, Schmerztherapie und emotionale Begleitung bei fortgeschrittener Tumorerkrankung.

Fall 1 von 35

Fallsituation

Sie arbeiten als Pflegefachperson auf einer Palliativstation.

Der 50-jährige Herr Krüger leidet an einer fortgeschrittenen Tumorerkrankung mit Metastasen in mehreren Organen.

Sein Allgemeinzustand ist deutlich reduziert. Er ist stark geschwächt, hat erheblich an Gewicht verloren und ist nur noch eingeschränkt mobil.

Herr Krüger klagt über starke, anhaltende Schmerzen sowie über Atemnot, die ihn zusätzlich belastet. Zur Behandlung erhält er eine Kombination aus verschiedenen Schmerzmedikamenten sowie Sauerstoff.

Während der pflegerischen Versorgung äußert er erschöpft:

„Ich kann nicht mehr… es hat doch alles keinen Sinn mehr.“

Seine Familie besucht ihn regelmäßig. Dabei fällt auf, dass auch die Angehörigen emotional stark belastet wirken.

👉 Sie befinden sich jetzt in einer typischen Prüfungssituation:

  • starke Schmerzen
  • ausgeprägte Atemnot
  • reduzierte körperliche Belastbarkeit
  • existenzielle Aussage
  • hohe Angehörigenbelastung

STOP. Erst denken.

🧠 Wie gehe ich an diesen Fall heran?

Nicht zuerst trösten, nicht zuerst relativieren, nicht zuerst erklären.

👉 Erst erkennen:
Was ist das Hauptproblem?

Herr Krüger zeigt:

  • starke Schmerzen
  • ausgeprägte Atemnot
  • körperliche Schwäche
  • emotionale Erschöpfung

👉 Das bedeutet:
Mehrere hochbelastende Symptome gleichzeitig.

Schmerz + Dyspnoe verstärken sich gegenseitig.
→ führen zu Angst, Unruhe und Erschöpfung

Die Aussage:

„Ich kann nicht mehr…“

👉 ist ein klares Signal für Überlastung und Hoffnungslosigkeit.

In der Palliativpflege gilt:

→ körperliche Symptome UND emotionale Belastung gleichzeitig behandeln

Zusätzlich:

Die Angehörigen sind ebenfalls stark betroffen.

👉 Versorgung betrifft immer das gesamte System.

Meine Denkstruktur ist:

  1. Schmerz erfassen und kontrollieren
  2. Atemnot sofort lindern
  3. Angst reduzieren
  4. Gespräch öffnen
  5. emotionale Belastung begleiten
  6. Angehörige einbeziehen

Prioritäten im Fall (prüfungsrelevant)

  1. Schmerz wirksam kontrollieren
    → Voraussetzung für Stabilität

  2. Atemnot lindern
    → akute Entlastung

  3. emotionale Krise erkennen
    → Aussage ernst nehmen

  4. Kommunikation ermöglichen
    → Vertrauen aufbauen

  5. Angehörige unterstützen
    → Belastung reduzieren


Pflegeziele

  • Herr Krüger beschreibt eine spürbare Reduktion seiner Schmerzen, erkennbar an niedrigerer Schmerzangabe und ruhigerem Verhalten.

  • Die Atemnot ist reduziert, erkennbar an ruhigerer Atmung und subjektiver Entlastung.

  • Herr Krüger fühlt sich emotional ernst genommen und nimmt ein Gesprächsangebot an.

  • Die Angehörigen fühlen sich informiert und emotional unterstützt.

  • Die Symptomkontrolle ist kontinuierlich angepasst.


Prüfungsentscheidung

Herr Krüger äußert:
„Ich kann nicht mehr… es hat doch alles keinen Sinn mehr.“

Wie reagieren Sie fachlich korrekt?

A) Thema vermeiden
B) ihn beruhigen ohne einzugehen
C) Gefühle ernst nehmen und Gespräch anbieten
D) Aussage ignorieren

✅ Antwort und Begründung anzeigen

Bewertung

Richtig: C – empathisch reagieren und Gespräch öffnen

Die Aussage zeigt eine deutliche emotionale und existenzielle Belastung.

👉 Ziel ist: verstehen, nicht übergehen.

Die richtige Reaktion:

  • nimmt Gefühle ernst
  • öffnet das Gespräch
  • ermöglicht Ausdruck

Falsche Antworten:

  • A → Vermeidung
  • B → oberflächlich
  • D → ignoriert Situation

👉 Prüfungsregel:
Emotionale Aussagen immer aufnehmen


📝 Prüfungsfragen anzeigen

Prüfungsfragen

  1. Beschreiben Sie zwei pflegerische Probleme.
  2. Nennen Sie zwei Maßnahmen bei Atemnot.
  3. Nennen Sie zwei Maßnahmen bei Schmerzen.
  4. Erklären Sie das WHO-Stufenschema.
  5. Nennen Sie zwei Nebenwirkungen von Opioiden.
  6. Welche Kommunikationsmethoden sind sinnvoll?
  7. Nennen Sie zwei Ziele der Palliativpflege.
  8. Warum ist Teamarbeit wichtig?

🔍 Lösung anzeigen

Lösungen

Probleme

Ein zentrales Problem sind die starken Schmerzen.

Ein weiteres Problem ist die Atemnot.

Zusätzlich besteht eine emotionale Belastung.


Maßnahmen Atemnot

  • Die Pflegefachperson lagert Herrn Krüger bei Dyspnoe in eine atemerleichternde Position mit erhöhtem Oberkörper, um die Atemarbeit zu reduzieren.

  • Die Pflegefachperson unterstützt die Atmung durch ruhige Anleitung, beispielsweise durch die Lippenbremse, um die Atemkontrolle zu verbessern.

  • Die Pflegefachperson überprüft regelmäßig die Sauerstoffgabe und beobachtet die Atmung, um Veränderungen frühzeitig zu erkennen.


Maßnahmen Schmerz

  • Die Pflegefachperson erfasst den Schmerz regelmäßig mithilfe eines geeigneten Assessments während jeder Schicht, um die Therapie anzupassen.

  • Die Pflegefachperson verabreicht Schmerzmedikamente nach ärztlicher Anordnung und überprüft Wirkung sowie Nebenwirkungen, um eine effektive Schmerzkontrolle sicherzustellen.

  • Die Pflegefachperson unterstützt durch entspannende Lagerung, um zusätzliche Entlastung zu schaffen.


WHO-Schema

Das WHO-Stufenschema besteht aus drei Stufen:

Nicht-Opioide → schwache Opioide → starke Opioide.


Nebenwirkungen

Typisch sind Obstipation und Übelkeit.


Kommunikation

Empathisches Zuhören und offene Fragen sind zentral.


Ziele

Lebensqualität erhalten und Symptome lindern.


Teamarbeit

Komplexe Situationen erfordern Zusammenarbeit aller Berufsgruppen.



Typische Fehler (Prüfung)

  • Schmerz unterschätzen
  • Atemnot nicht priorisieren
  • emotionale Aussagen ignorieren
  • nur körperlich arbeiten
  • Angehörige vergessen

Merksatz

Schmerz und Angst müssen gemeinsam behandelt werden.

So gehst du sinnvoll weiter