Fallbeispiel – Mobilität und Selbstversorgung bei Morbus Parkinson

Mobilitätsprobleme, Medikamenteneinnahme und Unterstützung im Alltag bei einem Bewohner mit Parkinson-Erkrankung.

Fall 1 von 35

Fallsituation

Sie arbeiten als Pflegefachperson in einem Pflegeheim.

Der 76-jährige Herr Krüger lebt seit einigen Monaten in der Einrichtung. Bei ihm wurde vor mehreren Jahren Morbus Parkinson diagnostiziert.

Früher war Herr Krüger als Landwirt tätig und körperlich sehr aktiv. Die zunehmenden Einschränkungen fallen ihm daher besonders schwer.

Während der morgendlichen Pflege beobachten Sie, dass er deutlich verlangsamt aufsteht. Beim Gehen zeigt er einen kleinschrittigen, unsicheren Gang. Mehrfach bleibt er plötzlich stehen, als ob seine Bewegung blockiert wäre.

Dieses sogenannte „Freezing“ tritt unerwartet auf und führt zu Unsicherheit.

Beim Frühstück fällt zusätzlich auf, dass seine Hände zittern. Das Halten der Tasse fällt ihm schwer, und einfache Bewegungen wirken unkoordiniert und verlangsamt.

Herr Krüger reagiert emotional auf seine Situation und sagt:

„Früher habe ich den ganzen Hof alleine bewirtschaftet. Jetzt brauche ich für alles Hilfe.“

👉 Sie befinden sich jetzt in einer typischen Prüfungssituation:

  • Mobilitätseinschränkung
  • Freezing
  • erhöhtes Sturzrisiko
  • eingeschränkte Feinmotorik
  • Verlust von Selbstständigkeit
  • emotionale Belastung

STOP. Erst denken.

🧠 Wie gehe ich an diesen Fall heran?

Nicht zuerst übernehmen, nicht zuerst korrigieren, nicht zuerst beschleunigen.

👉 Erst erkennen:
Wo liegt das Hauptproblem?

Herr Krüger zeigt:

  • verlangsamte Bewegungen
  • Tremor
  • Freezing
  • Unsicherheit beim Gehen

👉 Das bedeutet:

→ hohes Sturzrisiko
→ eingeschränkte Selbstständigkeit

Freezing ist besonders kritisch:
→ plötzliche Bewegungsblockade
→ erhöhte Sturzgefahr

Zusätzlich:

Probleme bei der Nahrungsaufnahme zeigen Einschränkungen der Feinmotorik.

Die Aussage des Bewohners zeigt:

→ Frustration
→ Verlust von Kontrolle
→ emotionale Belastung

Meine Denkstruktur ist:

  1. Mobilität einschätzen
  2. Sturzrisiko reduzieren
  3. Bewegung gezielt anleiten
  4. Selbstständigkeit fördern
  5. Medikamentenwirkung beachten
  6. emotionale Situation berücksichtigen

Prioritäten im Fall (prüfungsrelevant)

  1. Sturzrisiko reduzieren
    → akute Gefährdung

  2. Mobilität fördern
    → Fähigkeiten erhalten

  3. Selbstständigkeit unterstützen
    → Abhängigkeit vermeiden

  4. Medikamentenwirkung beachten
    → Beweglichkeit beeinflussen

  5. emotionale Belastung wahrnehmen
    → Frustration ernst nehmen


Pflegeziele

  • Herr Krüger bewegt sich innerhalb der Einrichtung sicher, ohne Sturzereignisse, erkennbar an stabilem Gang und gezielter Bewegung.

  • Herr Krüger kann Bewegungen trotz Freezing mit Unterstützung wieder aufnehmen, erkennbar an erfolgreichem Weitergehen nach Anleitung.

  • Herr Krüger führt Teilbereiche der Selbstversorgung selbstständig durch, insbesondere bei der Nahrungsaufnahme.

  • Herr Krüger fühlt sich in seiner Situation ernst genommen und zeigt weniger Frustration im Alltag.


Prüfungsentscheidung

Herr Krüger bleibt beim Gehen plötzlich stehen („Freezing“).

Wie handeln Sie fachlich korrekt?

A) ihn festhalten und weiterziehen
B) gezielte verbale Impulse geben
C) ihn zurück ins Bett bringen
D) Bewegung vermeiden lassen

✅ Antwort und Begründung anzeigen

Bewertung

Richtig: B – gezielte verbale Impulse geben

Freezing ist eine typische Bewegungsblockade.

👉 Bewegung wird nicht mechanisch, sondern über Reize wieder ausgelöst.

Hilfreich sind:

  • klare Ansprache
  • einfache Kommandos
  • rhythmische Impulse

Falsche Antworten:

  • A → erhöht Sturzrisiko
  • C → fördert Immobilität
  • D → verschlechtert Zustand

👉 Prüfungsregel:
Anleiten statt ziehen


📝 Prüfungsfragen anzeigen

Prüfungsfragen

  1. Nennen Sie zwei pflegerische Probleme.
  2. Nennen Sie drei Symptome von Parkinson.
  3. Formulieren Sie eine Pflegediagnose.
  4. Nennen Sie zwei Pflegeziele.
  5. Nennen Sie vier Maßnahmen zur Mobilitätsförderung.
  6. Welche Probleme bestehen bei der Nahrungsaufnahme?
  7. Warum ist Selbstständigkeit wichtig?
  8. Welche Bedeutung hat die Medikamenteneinnahme?

🔍 Lösung anzeigen

Lösungen

Probleme

Eingeschränkte Mobilität und erhöhtes Sturzrisiko.

Zusätzlich emotionale Belastung.


Symptome

Tremor, Bradykinese, Rigor.


Pflegediagnose

Beeinträchtigte Mobilität im Zusammenhang mit Morbus Parkinson.


Ziele

Sichere Mobilität und Erhalt der Selbstständigkeit.


Maßnahmen

  • Die Pflegefachperson gibt Herrn Krüger beim Gehen gezielte verbale Impulse, indem sie klare und ruhige Anweisungen gibt, um Freezing zu lösen und Bewegung zu ermöglichen.

  • Die Pflegefachperson stellt geeignete Hilfsmittel wie einen Rollator bereit und überprüft deren sichere Nutzung, um Stürze zu vermeiden.

  • Die Pflegefachperson plant ausreichend Zeit für Bewegungsabläufe ein, um Stress zu vermeiden und Bewegungen nicht zu verschlechtern.

  • Die Pflegefachperson führt regelmäßig Bewegungsübungen durch oder unterstützt diese, um die Mobilität zu erhalten.

  • Die Pflegefachperson beobachtet die Wirkung der Medikamente im Tagesverlauf, um Zusammenhänge zwischen Einnahme und Beweglichkeit zu erkennen.

  • Die Pflegefachperson unterstützt bei der Nahrungsaufnahme nur so weit wie nötig, um Selbstständigkeit zu fördern.


Nahrungsaufnahme

Zittern und verlangsamte Bewegungen erschweren das Essen.


Selbstständigkeit

Erhalt der Fähigkeiten verbessert Lebensqualität.


Medikamente

Wirken zeitabhängig, Einnahme muss genau erfolgen.


Typische Fehler (Prüfung)

  • ziehen statt anleiten
  • zu viel abnehmen
  • Sturzrisiko unterschätzen
  • Medikamente ignorieren
  • emotionale Lage übersehen

Merksatz

Bei Parkinson gilt: Anleiten statt übernehmen.

So gehst du sinnvoll weiter