Fallbeispiel – Parkinson und eingeschränkte Selbstbestimmung im Pflegeheim
Umgang mit Parkinson, Mobilitätseinschränkung und Autonomieverlust im Pflegealltag.
Fallsituation
Sie arbeiten als Pflegefachperson in einem Seniorenheim.
Die 84-jährige Frau Schneider ist vor wenigen Tagen neu in die Einrichtung eingezogen. Bei ihr bestehen eine Parkinsonerkrankung sowie eine Herzschwäche.
Im Alltag zeigt sie typische Bewegungseinschränkungen. Sie bewegt sich langsam, mit kleinen Schritten und unsicherem Gangbild. Zur Fortbewegung nutzt sie einen Rollator.
Am Morgen benötigt sie Unterstützung beim Aufstehen sowie bei der Körperpflege. Dabei wirkt sie erschöpft und wenig belastbar.
In den letzten Tagen fällt Ihnen auf, dass Frau Schneider sich zunehmend zurückzieht und weniger Kontakt zu anderen Bewohnern sucht.
Heute äußert sie im Gespräch:
„Hier kann ich gar nichts mehr selbst entscheiden.“
Zusätzlich besteht ein erhöhtes Risiko in der Nacht. Frau Schneider muss häufig zur Toilette. Da sie nicht immer rechtzeitig Unterstützung erhält, ist sie bereits einmal alleine aufgestanden und gestürzt.
Im Team wurde daraufhin diskutiert, ein Bettgitter einzusetzen. Eine Pflegekraft äußert, dass dies notwendig sei, um weitere Stürze zu verhindern.
👉 Sie befinden sich jetzt in einer typischen Prüfungssituation:
- eingeschränkte Mobilität
- erhöhtes Sturzrisiko (nachts)
- Nykturie
- emotionale Belastung
- eingeschränkte Selbstbestimmung
- Diskussion über freiheitsentziehende Maßnahme
🧠 Wie gehe ich an diesen Fall heran?
Nicht zuerst sichern, nicht zuerst einschränken, nicht zuerst entscheiden.
👉 Erst erkennen:
Wo liegt der Konflikt?
Frau Schneider zeigt:
- eingeschränkte Mobilität
- unsicheren Gang
- Sturzereignis
- emotionale Belastung
👉 Das bedeutet:
→ reale Gefährdung durch Sturz
→ gleichzeitig Verlust von Autonomie
Die Aussage:
„Ich kann nichts mehr selbst entscheiden“
👉 ist ein klares Signal für eingeschränkte Selbstbestimmung.
Das Bettgitter:
→ erhöht Sicherheit
→ schränkt Freiheit ein
👉 Das ist eine freiheitsentziehende Maßnahme.
Pflege steht hier zwischen:
- Sicherheit
- Autonomie
👉 Beides muss gegeneinander abgewogen werden.
Meine Denkstruktur ist:
- Sturzrisiko analysieren
- Ursachen (v. a. nachts) klären
- Selbstständigkeit fördern
- Alternativen prüfen
- rechtliche Aspekte beachten
- Entscheidung im Team treffen
Prioritäten im Fall (prüfungsrelevant)
-
Selbstbestimmung erhalten
→ zentrale ethische Grundlage -
Sturzrisiko reduzieren
→ konkrete Gefährdung minimieren -
Mobilität fördern
→ Fähigkeiten erhalten -
Vertrauen aufbauen
→ Zusammenarbeit ermöglichen -
freiheitsentziehende Maßnahmen vermeiden
→ nur als letzte Option
Pflegeziele
-
Frau Schneider bewegt sich nachts sicher zur Toilette oder nutzt Unterstützung, ohne weitere Stürze.
-
Frau Schneider beteiligt sich aktiv an Entscheidungen im Alltag und äußert ihre Wünsche.
-
Frau Schneider nutzt vorhandene Mobilität sicher mit Hilfsmitteln.
-
Frau Schneider fühlt sich ernst genommen und zeigt weniger Rückzug im Alltag.
Prüfungsentscheidung
Eine Pflegekraft möchte ein Bettgitter einsetzen, um Stürze zu verhindern.
Wie bewerten Sie diese Maßnahme?
✅ Antwort und Begründung anzeigen
Bewertung
Richtig: C – nur unter rechtlichen Voraussetzungen zulässig
Ein Bettgitter ist eine freiheitsentziehende Maßnahme.
👉 Es schränkt die Bewegungsfreiheit ein.
Zulässig nur wenn:
- Einwilligung vorliegt
- oder rechtliche Genehmigung besteht
👉 Zusätzlich gilt:
Mildere Maßnahmen müssen zuerst geprüft werden.
Falsche Antworten:
- A → ignoriert Freiheitseinschränkung
- B → rechtlich falsch
- D → pauschal und gefährlich
👉 Prüfungsregel:
Freiheit vor Sicherheit, solange vertretbar
📝 Prüfungsfragen anzeigen
Prüfungsfragen
- Formulieren Sie eine Pflegediagnose.
- Nennen Sie zwei Pflegeziele.
- Nennen Sie zwei Maßnahmen zur Mobilitätsförderung.
- Nennen Sie zwei Symptome von Parkinson.
- Warum ist Medikamenteneinnahme wichtig?
- Erklären Sie Nykturie.
- Nennen Sie zwei Maßnahmen zur Sturzprophylaxe.
- Warum ist Selbstbestimmung wichtig?
🔍 Lösung anzeigen
Lösungen
Pflegediagnose
Beeinträchtigte Mobilität im Zusammenhang mit Morbus Parkinson, erkennbar an unsicherem Gang und erhöhter Sturzgefahr.
Pflegeziele
Sichere Mobilität und Erhalt der Selbstbestimmung.
Maßnahmen
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Die Pflegefachperson stellt nachts eine verlässliche Unterstützung sicher, indem sie feste Zeiten für Toilettengänge anbietet oder ein Klingelsystem nutzt, um Stürze zu vermeiden.
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Die Pflegefachperson sorgt für eine sichere Umgebung durch ausreichende Beleuchtung und das Entfernen von Stolperfallen, um das Risiko zu reduzieren.
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Die Pflegefachperson fördert die Mobilität durch gezielte Anleitung beim Gehen und nutzt Hilfsmittel wie den Rollator, um Sicherheit zu gewährleisten.
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Die Pflegefachperson plant ausreichend Zeit ein, um Bewegungen stressfrei zu ermöglichen.
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Die Pflegefachperson bespricht gemeinsam mit Frau Schneider ihre Wünsche und bezieht sie aktiv in Entscheidungen ein, um Selbstbestimmung zu fördern.
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Die Pflegefachperson prüft Alternativen zum Bettgitter, bevor freiheitsentziehende Maßnahmen eingesetzt werden.
Symptome
Tremor und Bradykinese.
Medikamente
Regelmäßige Einnahme ist entscheidend für Beweglichkeit.
Nykturie
Nächtliches Wasserlassen mit erhöhtem Sturzrisiko.
Sturzprophylaxe
Beleuchtung und Unterstützung nachts.
Selbstbestimmung
Wichtig für Würde und Lebensqualität.
Typische Fehler (Prüfung)
- freiheitsentziehende Maßnahmen zu schnell einsetzen
- nur Sicherheit beachten
- Autonomie ignorieren
- Ursachen nicht analysieren
- emotionale Lage übersehen
Merksatz
Sicherheit darf Autonomie nicht automatisch überwiegen.