Fallbeispiel – Suizidalität und Alkoholabhängigkeit in der Akutpsychiatrie

Umgang mit akuter Suizidalität, Suchtproblematik und Krisenintervention.

Fall 1 von 35

Fallsituation

Sie arbeiten als Pflegefachperson auf einer geschlossenen psychiatrischen Station.

Die 55-jährige Frau Becker wurde nach einem Notarzteinsatz aufgenommen. Vorausgegangen war eine akute Krise, in der sie Alkohol konsumiert und eine größere Menge Tabletten eingenommen hat.

Bei der Aufnahme wirkt Frau Becker erschöpft, emotional stark belastet und hoffnungslos. Sie äußert deutlich:

„Ich kann nicht mehr… es hat alles keinen Sinn.“

Im Gespräch wird deutlich, dass sie allein lebt und seit vielen Jahren an einer Alkoholabhängigkeit leidet. Mehrere therapeutische Versuche in der Vergangenheit führten zu keiner langfristigen Stabilisierung.

Frau Becker zieht sich zurück, vermeidet Kontakt und zeigt wenig Perspektive für die Zukunft.

👉 Sie befinden sich jetzt in einer typischen Prüfungssituation:

  • akute Suizidalität
  • Alkoholabhängigkeit
  • emotionale Krise
  • sozialer Rückzug
  • fehlende Perspektive
  • hoher Unterstützungsbedarf

STOP. Erst denken.

🧠 Wie gehe ich an diesen Fall heran?

Nicht zuerst beruhigen, nicht zuerst ablenken, nicht zuerst organisieren.

👉 Erst erkennen: Ist die Patientin akut gefährdet?

Frau Becker zeigt:

  • Suizidversuch
  • geäußerte Hoffnungslosigkeit
  • Rückzug
  • Alkoholabhängigkeit

👉 Das spricht für eine akute suizidale Krise mit hohem Risiko.

Die Aussage „Ich kann nicht mehr“ ist ein klares Warnsignal.

👉 Suizidgedanken müssen immer ernst genommen und aktiv angesprochen werden.

Zusätzlich:

Alkoholabhängigkeit verstärkt:

  • Impulsivität
  • emotionale Instabilität
  • eingeschränkte Kontrolle

👉 Das Risiko für erneute Selbstgefährdung steigt.

Meine Denkstruktur ist:

  1. Suizidgefahr einschätzen
  2. Sicherheit gewährleisten
  3. Patientin nicht allein lassen
  4. Suizidgedanken offen ansprechen
  5. Beziehung aufbauen
  6. Krise stabilisieren

Prioritäten im Fall (prüfungsrelevant)

  1. Suizidgefahr einschätzen und sichern
    → akute Selbstgefährdung verhindern

  2. Patientin schützen und begleiten
    → keine Isolation in der Krise

  3. Suizidgedanken offen ansprechen
    → realistische Einschätzung ermöglichen

  4. Beziehung aufbauen
    → Vertrauen schaffen

  5. Krise stabilisieren
    → emotionale Entlastung ermöglichen


Prüfungsentscheidung

Frau Becker äußert:
„Ich will nicht mehr leben.“

Wie reagieren Sie fachlich korrekt?

A) Thema vermeiden
B) beruhigen und ablenken
C) Suizidgedanken offen und direkt ansprechen
D) Patientin allein lassen

✅ Antwort und Begründung anzeigen

Bewertung

Richtig: C – Suizidgedanken offen und direkt ansprechen

Die Patientin äußert klar suizidale Gedanken.

👉 Das ist eine akute Gefährdung.

Das direkte Ansprechen:

  • zeigt, dass die Aussage ernst genommen wird
  • schafft Vertrauen
  • ermöglicht eine realistische Einschätzung

👉 Es entlastet die Patientin und erhöht nicht das Risiko.

Falsche Antworten:

  • A → ignoriert die Gefahr
  • B → vermeidet das eigentliche Problem
  • D → stellt ein erhebliches Risiko dar

👉 Prüfungsregel:
Suizidalität immer direkt ansprechen


📝 Prüfungsfragen anzeigen

Prüfungsfragen

  1. Formulieren Sie eine passende Pflegediagnose.
  2. Nennen Sie zwei zentrale Risikofaktoren für Suizidalität.
  3. Nennen Sie zwei realistische Pflegeziele.
  4. Beschreiben Sie drei konkrete Pflegeinterventionen.
  5. Was gehört zu einer professionellen Krisenintervention?
  6. Nennen Sie zwei Bewältigungsstrategien.
  7. Erklären Sie den Unterschied zwischen Suizidalität und Parasuizidalität.
  8. Nennen Sie zwei Folgen einer Alkoholabhängigkeit.

🔍 Lösung anzeigen

Lösungen

Pflegediagnose

Akute Suizidgefahr im Zusammenhang mit Hoffnungslosigkeit und Alkoholabhängigkeit, erkennbar an Suizidäußerungen und Tabletteneinnahme.


Risikofaktoren

Hoffnungslosigkeit ist ein zentraler Risikofaktor, da sie den Lebenswillen stark reduziert.

Alkoholabhängigkeit erhöht die Impulsivität und verschlechtert die emotionale Kontrolle.


Pflegeziele

Ein Ziel ist die Sicherstellung der körperlichen Unversehrtheit.

Ein weiteres Ziel ist die Stabilisierung der psychischen Situation.


Maßnahmen

  • Die Pflegefachperson beobachtet Frau Becker engmaschig während der gesamten Betreuung, um Veränderungen frühzeitig zu erkennen und Selbstgefährdung zu verhindern.

  • Die Pflegefachperson führt regelmäßig Gespräche mit Frau Becker, indem sie Suizidgedanken direkt anspricht und aktiv zuhört, um Vertrauen aufzubauen und die Krise zu entlasten.

  • Die Pflegefachperson sorgt für eine sichere Umgebung ohne gefährliche Gegenstände, um das Risiko für Selbstverletzung zu reduzieren.


Krisenintervention

Zur Krisenintervention gehört das direkte Ansprechen von Suizidgedanken.

Ziel ist Stabilisierung, Sicherheit und kurzfristige Entlastung.


Bewältigungsstrategien

Gespräche mit Fachpersonal helfen, Gedanken zu ordnen.

Alternativen zum Alkoholkonsum müssen entwickelt werden.


Unterschied

Suizidalität beschreibt den Wunsch zu sterben.

Parasuizidalität ist häufig ein Ausdruck von Belastung ohne klare Todesabsicht.


Folgen Alkoholabhängigkeit

Körperlich entstehen Schäden wie Lebererkrankungen.

Psychisch treten häufig Depressionen auf.


Typische Fehler (Prüfung)

  • Suizidgedanken nicht ernst nehmen
  • indirekt statt direkt fragen
  • Patientin allein lassen
  • Risiko unterschätzen
  • nur Suchtproblem sehen

Merksatz

Suizidalität muss immer direkt angesprochen und aktiv begleitet werden.

So gehst du sinnvoll weiter