Fallbeispiel – Akute psychotische Episode in der psychiatrischen Pflege

Beziehungsgestaltung, Deeskalation und pflegerische Unterstützung bei einem Patienten mit psychotischen Symptomen.

Fall 1 von 35

Fallsituation

Sie arbeiten als Pflegefachperson auf einer psychiatrischen Akutstation.

Der 29-jährige Herr Weber wurde vor wenigen Tagen aufgenommen, nachdem Angehörige aufgrund auffälligen Verhaltens den Rettungsdienst verständigt hatten.

Im Gespräch berichtet Herr Weber, dass er sich beobachtet fühlt. Er ist überzeugt, dass andere Menschen ihn kontrollieren wollen.

Auf der Station wirkt er angespannt und wachsam. Er schaut sich häufig um, als würde er seine Umgebung ständig überprüfen. Zeitweise spricht er leise vor sich hin.

Während eines Gesprächs wendet er sich an Sie und sagt:

„Sie hören das doch auch, oder? Die Stimmen sagen mir, ich soll vorsichtig sein.“

Zusätzlich berichtet eine Kollegin, dass Herr Weber in der vergangenen Nacht kaum geschlafen hat. Er reagierte gereizt, als ein anderer Patient ihn angesprochen hat.

👉 Sie befinden sich jetzt in einer typischen Prüfungssituation:

  • psychotische Symptome
  • Halluzinationen
  • Wahnvorstellungen
  • erhöhte Anspannung
  • Schlafmangel
  • Eskalationsrisiko

STOP. Erst denken.

🧠 Wie gehe ich an diesen Fall heran?

Nicht widersprechen, nicht bestätigen, nicht diskutieren.

👉 Erst erkennen: Wie erlebt der Patient seine Realität?

Herr Weber zeigt:

  • Stimmenhören
  • Verfolgungswahn
  • Misstrauen
  • Anspannung

👉 Für ihn ist das real.

Die Frage „Sie hören das doch auch?“ ist entscheidend.

👉 Das ist ein Kontaktangebot.

Zusätzlich:

  • Schlafmangel
  • Reizbarkeit

👉 erhöht das Risiko für Eskalation.

Wichtig:

  • Beziehung vor Korrektur
  • Sicherheit vor Diskussion

Meine Denkstruktur ist:

  1. Beziehung aufbauen
  2. Wahrnehmung ernst nehmen
  3. Realität klar halten
  4. Anspannung reduzieren
  5. Struktur geben
  6. Team einbeziehen

Prioritäten im Fall (prüfungsrelevant)

  1. Beziehung aufbauen und stabilisieren
    → Vertrauen schaffen

  2. Anspannung erkennen und reduzieren
    → Eskalation verhindern

  3. Realitätsbezug erhalten
    → Wahn nicht verstärken

  4. Struktur und Orientierung geben
    → Sicherheit fördern

  5. Schlaf fördern
    → Belastung senken


Prüfungsentscheidung

Herr Weber sagt:
„Sie hören das doch auch, oder?“

Wie reagieren Sie fachlich korrekt?

A) „Nein, das stimmt nicht. Das bilden Sie sich ein.“
B) „Ja, ich höre das auch.“
C) „Ich höre die Stimmen nicht, aber ich sehe, dass Sie das belastet.“
D) Thema wechseln

✅ Antwort und Begründung anzeigen

Bewertung

Richtig: C – Wahrnehmung ernst nehmen ohne Bestätigung

Der Patient erlebt die Stimmen als real.

👉 Direktes Widersprechen zerstört Vertrauen.
👉 Bestätigen verstärkt den Wahn.

Die richtige Reaktion:

  • erkennt die Belastung an
  • bleibt bei der Realität
  • stärkt die Beziehung

Falsche Antworten:

  • A → konfrontativ
  • B → verstärkt Wahn
  • D → ignoriert Situation

👉 Prüfungsregel:
Gefühl spiegeln, Inhalt nicht bestätigen


📝 Prüfungsfragen anzeigen

Prüfungsfragen

  1. Beschreiben Sie zwei zentrale pflegerische Probleme.
  2. Nennen Sie drei typische Symptome einer Psychose.
  3. Formulieren Sie eine passende Pflegediagnose.
  4. Nennen Sie zwei Pflegeziele.
  5. Planen Sie vier Maßnahmen.
  6. Welche Gesprächsstrategien sind geeignet?
  7. Warum ist ruhige Kommunikation wichtig?
  8. Warum ist Teamarbeit entscheidend?

🔍 Lösung anzeigen

Lösungen

Pflegerische Probleme

Ein Problem ist die veränderte Wahrnehmung der Realität durch Halluzinationen und Wahn.

Ein weiteres Problem ist die innere Anspannung mit erhöhtem Eskalationsrisiko.


Symptome

Akustische Halluzinationen sind typisch.

Verfolgungswahn ist häufig.

Denkstörungen können zusätzlich auftreten.


Pflegediagnose

Beeinträchtigte Wahrnehmung im Zusammenhang mit psychotischer Störung, erkennbar an Halluzinationen und Wahn.


Pflegeziele

Der Patient fühlt sich sicher und verstanden.

Die Anspannung wird reduziert.


Maßnahmen

  • Die Pflegefachperson spricht ruhig und klar mit Herrn Weber während jeder Interaktion, um Sicherheit zu vermitteln und Misstrauen zu reduzieren.

  • Die Pflegefachperson nimmt die Wahrnehmung des Patienten ernst, ohne den Inhalt zu bestätigen, indem sie Gefühle spiegelt, um die Beziehung zu stärken.

  • Die Pflegefachperson sorgt für eine reizreduzierte Umgebung während des Aufenthalts, um Überforderung und Eskalation zu vermeiden.

  • Die Pflegefachperson beobachtet den Zustand kontinuierlich, um Veränderungen frühzeitig zu erkennen und entsprechend zu reagieren.


Gesprächsstrategien

Gefühle spiegeln, nicht Inhalte bestätigen.

Klare, einfache Sprache verwenden.


Bedeutung ruhiger Kommunikation

Sie wirkt deeskalierend und reduziert Angst.


Teamarbeit

Nur abgestimmtes Handeln sichert Stabilität.


Typische Fehler (Prüfung)

  • Wahn direkt widersprechen
  • Halluzinationen bestätigen
  • Diskussion über Inhalte
  • unruhige Kommunikation
  • fehlende Struktur

Merksatz

Gefühle ernst nehmen, Realität klar halten.

So gehst du sinnvoll weiter