Fallbeispiel – Schlaganfall, PEG und Pflegeverweigerung im häuslichen Umfeld
Umgang mit Aphasie, Hemiplegie und Pflegeverweigerung nach Schlaganfall.
Fallsituation
Sie arbeiten als Pflegefachperson in der ambulanten Pflege.
Die 83-jährige Frau Neumann hatte vor einigen Wochen einen Schlaganfall. Seitdem besteht eine Lähmung der rechten Körperhälfte.
Zusätzlich wird sie über eine PEG-Sonde ernährt. Bei der heutigen Versorgung fällt Ihnen auf, dass die Einstichstelle gerötet ist, was auf eine mögliche Entzündung hinweisen kann.
Frau Neumann ist in ihrer Kommunikation eingeschränkt. Sie reagiert verzögert auf Ansprache und kann sich nur schwer verständlich machen.
Als Sie mit der Körperpflege beginnen möchten, dreht sie den Kopf weg und schüttelt ihn deutlich. Dies ist als Ablehnung zu interpretieren.
Die Tochter reagiert angespannt und sagt:
„Sie muss doch gewaschen werden! So kann das nicht weitergehen!“
👉 Sie befinden sich jetzt in einer typischen Prüfungssituation:
- Pflegeverweigerung
- Aphasie
- Hemiplegie
- PEG-Versorgung
- Infektionsrisiko
- Konflikt mit Angehörigen
🧠 Wie gehe ich an diesen Fall heran?
Nicht einfach durchführen, nicht übergehen, nicht delegieren.
👉 Erst erkennen: Was bedeutet das Verhalten der Patientin?
Frau Neumann zeigt:
- Kopf abwenden
- Kopfschütteln
👉 Das ist ein klares Nein.
Auch ohne Sprache gilt:
→ nonverbale Kommunikation ist verbindlich
→ Selbstbestimmung bleibt bestehen
Gleichzeitig:
- PEG gerötet
- Pflege notwendig
👉 Es besteht ein pflegerischer Bedarf.
Die Tochter:
- angespannt
- fordert Durchführung
👉 zusätzlicher Druck entsteht.
👉 Klassisches Dilemma: Pflegebedarf vs. Autonomie
Meine Denkstruktur ist:
- Ablehnung erkennen und respektieren
- Kommunikation anpassen
- Vertrauen aufbauen
- Pflege schrittweise anbieten
- Infektionsrisiko beobachten
- Angehörige einbeziehen
Prioritäten im Fall (prüfungsrelevant)
-
Selbstbestimmung achten
→ Würde wahren -
Infektionsrisiko reduzieren
→ PEG beobachten und versorgen -
Kommunikation anpassen
→ Verständigung ermöglichen -
Pflege schrittweise durchführen
→ Kooperation fördern -
Angehörige begleiten
→ Konflikt reduzieren
Prüfungsentscheidung
Frau Neumann verweigert die Pflege durch Kopfschütteln.
Wie handeln Sie fachlich korrekt?
✅ Antwort und Begründung anzeigen
Bewertung
Richtig: C – schrittweise und respektvoll vorgehen
Die Patientin lehnt die Pflege klar ab.
👉 Gleichzeitig besteht ein Pflegebedarf.
Die richtige Vorgehensweise:
- erklären
- kleine Schritte anbieten
- Zustimmung einholen
👉 Ziel: Kooperation statt Zwang.
Falsche Antworten:
- A → verletzt Autonomie
- B → Verantwortung falsch übertragen
- D → Versorgung nicht gesichert
👉 Prüfungsregel:
Ablehnung respektieren, Pflege anpassen
📝 Prüfungsfragen anzeigen
Prüfungsfragen
- Beschreiben Sie das pflegerische Dilemma.
- Nennen Sie zwei Pflegeprobleme.
- Beschreiben Sie zwei Maßnahmen zur PEG-Versorgung.
- Erklären Sie den Begriff Aphasie.
- Erklären Sie den Begriff Hemiplegie.
- Nennen Sie zwei Ziele des Bobath-Konzepts.
- Wie können Angehörige unterstützt werden?
- Nennen Sie zwei beteiligte Berufsgruppen.
🔍 Lösung anzeigen
Lösungen
Dilemma
Konflikt zwischen notwendiger Pflege und Selbstbestimmung.
Pflegeprobleme
Pflegeverweigerung erschwert Maßnahmen.
Infektionsrisiko durch gerötete PEG.
Maßnahmen PEG
-
Die Pflegefachperson versorgt die PEG-Einstichstelle täglich unter aseptischen Bedingungen während der Versorgung, um Infektionen zu vermeiden.
-
Die Pflegefachperson beobachtet die Einstichstelle regelmäßig auf Rötung, Schwellung und Sekret, um Veränderungen frühzeitig zu erkennen.
Aphasie
Sprachstörung nach Hirnschädigung.
Hemiplegie
Lähmung einer Körperhälfte.
Bobath-Ziele
Förderung aktiver Bewegung.
Verbesserung der Wahrnehmung.
Angehörige
Aufklärung und Entlastung durch Gespräche.
Berufsgruppen
Logopädie und Ergotherapie.
Typische Fehler (Prüfung)
- Pflege gegen den Willen durchführen
- Ablehnung ignorieren
- Angehörige entscheiden lassen
- Infektionsrisiko unterschätzen
- Kommunikation nicht anpassen
Merksatz
Auch ohne Worte gilt, ein Nein bleibt ein Nein.