Informationssammlung im Pflegeprozess
Die Informationssammlung ist der erste Schritt des Pflegeprozesses. Sie bildet die Grundlage für alle weiteren pflegerischen Entscheidungen.
Nur wenn ausreichend Informationen vorliegen, können Pflegeprobleme erkannt, Pflegeziele formuliert und passende Maßnahmen geplant werden.
Deshalb gilt die Informationssammlung als einer der wichtigsten Schritte im gesamten Pflegeprozess.
Warum ist die Informationssammlung wichtig?
Die Informationssammlung hilft dabei:
- den Gesundheitszustand der Person zu verstehen
- Pflegeprobleme frühzeitig zu erkennen
- Risiken einzuschätzen
- Ressourcen festzustellen
- individuelle Bedürfnisse zu berücksichtigen
- die Pflegeplanung vorzubereiten
Fehlende Informationen können zu falschen Pflegeentscheidungen führen.
Welche Informationen werden gesammelt?
Bei der Informationssammlung werden Daten aus verschiedenen Lebensbereichen erfasst.
Dazu gehören:
Körperliche Situation
- Mobilität
- Schmerzen
- Atmung
- Kreislauf
- Ausscheidung
- Ernährung
- Hautzustand
- Schlafverhalten
Psychische Situation
- Stimmung
- Ängste
- Orientierung
- Gedächtnis
- Belastungen
Soziale Situation
- Angehörige
- Wohnsituation
- Unterstützung im Alltag
- soziale Kontakte
Gewohnheiten und Wünsche
- Tagesstruktur
- Essgewohnheiten
- kulturelle Besonderheiten
- persönliche Bedürfnisse
Wichtige Informationsquellen
Informationen stammen aus verschiedenen Quellen.
Gespräch mit der pflegebedürftigen Person
Die wichtigste Informationsquelle ist meist die betroffene Person selbst.
Dabei werden Wünsche, Beschwerden und persönliche Bedürfnisse erfragt.
Gespräche mit Angehörigen
Angehörige können wichtige Informationen ergänzen, besonders wenn die Person selbst eingeschränkt kommunizieren kann.
Pflegedokumentation
Frühere Einträge liefern wichtige Hinweise über den bisherigen Verlauf.
Ärztliche Unterlagen
Dazu gehören:
- Diagnosen
- Arztberichte
- Laborwerte
- Therapiepläne
Beobachtungen der Pflegefachperson
Viele Informationen werden direkt durch Beobachtung gewonnen.
Beobachtung in der Pflege
Die Beobachtung gehört zu den wichtigsten Aufgaben der Pflegefachperson.
Beobachtet werden beispielsweise:
- Gangbild
- Körperhaltung
- Hautfarbe
- Atmung
- Bewusstseinslage
- Mimik
- Schmerzzeichen
- Ess- und Trinkverhalten
Die Beobachtungen müssen objektiv und nachvollziehbar dokumentiert werden.
Beispiel aus der Praxis
Fallsituation
Herr Müller wird nach einer Hüftoperation auf die Station aufgenommen.
Bei der Informationssammlung werden folgende Informationen erhoben:
- Schmerzen NRS 8 von 10
- benötigt Hilfe beim Aufstehen
- unsicheres Gangbild
- Appetit vermindert
- motiviert bei der Mobilisation
Diese Informationen bilden die Grundlage für die weitere Pflegeplanung.
Ressourcen erkennen
Neben Problemen müssen immer auch Ressourcen erfasst werden.
Ressourcen sind Fähigkeiten, die die Person weiterhin besitzt.
Beispiele:
- kann selbstständig essen
- orientiert zu Zeit und Ort
- motiviert zur Mitarbeit
- kann kurze Strecken mit Rollator gehen
- führt Körperpflege teilweise selbst durch
Ressourcen fördern die Selbstständigkeit und sind ein wichtiger Bestandteil professioneller Pflege.
Informationssammlung und Prüfungen
In Prüfungen wird häufig gefragt:
“Welche Informationen benötigen Sie zunächst?”
Die richtige Antwort lautet meist:
Zuerst müssen weitere Informationen gesammelt werden, bevor Maßnahmen geplant werden können.
Wer sofort Maßnahmen nennt, ohne Informationen zu sammeln, verliert häufig Punkte.
Typische Fehler in Prüfungen
- Informationen und Maßnahmen vermischen
- Ressourcen vergessen
- nur Probleme erfassen
- keine Beobachtungen nennen
- Angehörige als Informationsquelle vergessen
Mini-Quiz
Frau Schneider kommt nach einem Sturz ins Krankenhaus. Welche Handlung gehört zur Informationssammlung?
A) Schmerzmittel verabreichen
B) Pflegeziel formulieren
C) Mobilität und Schmerzen erfassen
D) Evaluation durchführen
Lösung
✅ C) Mobilität und Schmerzen erfassen
Die Informationssammlung erfolgt immer vor Pflegezielen, Maßnahmen und Evaluation.
Merksatz
Ohne Informationssammlung keine Pflegeplanung. Wer die Situation nicht kennt, kann keine passende Pflege planen.