Pflegediagnosen Beispiele mit PESR
Pflegediagnosen werden in der Pflegeausbildung häufig mit dem PESR-Schema formuliert.
Das PESR-Schema hilft dir, Pflegeprobleme nicht nur zu benennen, sondern fachlich zu begründen.
Was bedeutet PESR?
P steht für Problem.
E steht für Einflussfaktoren oder Ursachen.
S steht für Symptome oder Anzeichen.
R steht für Ressourcen.
Eine gute Pflegediagnose beschreibt also:
- welches Pflegeproblem besteht
- wodurch es beeinflusst wird
- woran es erkennbar ist
- welche Fähigkeiten die Person noch hat
Aufbau einer Pflegediagnose nach PESR
Eine Pflegediagnose kann so aufgebaut werden:
Problem aufgrund von Ursache, erkennbar an Symptomen. Ressourcen sind vorhanden.
Beispiel:
Beeinträchtigte Mobilität aufgrund postoperativer Schmerzen, erkennbar an unsicherem Gang und Hilfebedarf beim Aufstehen. Mobilisation mit Rollator ist möglich.
Beispiel 1: Beeinträchtigte Atmung bei COPD
Fallsituation
Herr Meier, 72 Jahre, leidet an COPD.
Beim Gehen zum Badezimmer bekommt er Atemnot und muss mehrfach stehen bleiben.
Er kennt die Lippenbremse und kann sie mit Anleitung anwenden.
PESR
P: Beeinträchtigte Atmung
E: Chronische Einschränkung der Lungenfunktion bei COPD
S: Dyspnoe bei geringer Belastung, häufige Pausen beim Gehen
R: Kennt die Lippenbremse und kann sie mit Anleitung anwenden
Ausformulierte Pflegediagnose
Beeinträchtigte Atmung aufgrund chronischer Einschränkung der Lungenfunktion bei COPD, erkennbar an Dyspnoe bei geringer Belastung und häufigen Pausen beim Gehen. Die Lippenbremse kann mit Anleitung angewendet werden.
Beispiel 2: Akuter Schmerz nach Operation
Fallsituation
Frau Schneider wurde am Knie operiert.
Sie gibt Schmerzen mit NRS 7 an und vermeidet Bewegungen.
Sie kann Schmerzen klar benennen und klingelt bei Bedarf.
PESR
P: Akuter Schmerz
E: Operativer Eingriff am Knie
S: Schmerzangabe NRS 7, Schonhaltung, vermeidet Bewegung
R: Kann Schmerzen benennen und Hilfe anfordern
Ausformulierte Pflegediagnose
Akuter Schmerz aufgrund eines operativen Eingriffs am Knie, erkennbar an Schmerzangabe NRS 7, Schonhaltung und Bewegungsvermeidung. Frau Schneider kann Schmerzen benennen und Hilfe anfordern.
Beispiel 3: Beeinträchtigte Mobilität nach Schlaganfall
Fallsituation
Herr Bauer hatte einen Schlaganfall.
Der rechte Arm ist deutlich geschwächt.
Beim Aufstehen benötigt er Hilfe.
Mit Unterstützung kann er kurze Strecken gehen.
PESR
P: Beeinträchtigte Mobilität
E: Hemiparese nach Schlaganfall
S: Hilfebedarf beim Aufstehen, unsicherer Gang, eingeschränkte Armfunktion
R: Kann mit Unterstützung kurze Strecken gehen
Ausformulierte Pflegediagnose
Beeinträchtigte Mobilität aufgrund einer Hemiparese nach Schlaganfall, erkennbar an Hilfebedarf beim Aufstehen, unsicherem Gang und eingeschränkter Armfunktion. Mit Unterstützung kann Herr Bauer kurze Strecken gehen.
Beispiel 4: Selbstversorgungsdefizit bei Körperpflege
Fallsituation
Frau Lange ist nach einer Hüftoperation eingeschränkt beweglich.
Sie kann den Oberkörper selbst waschen, benötigt aber Hilfe beim Waschen der Beine und beim Anziehen.
PESR
P: Selbstversorgungsdefizit Körperpflege
E: Eingeschränkte Beweglichkeit nach Hüftoperation
S: Hilfebedarf beim Waschen der Beine und beim Ankleiden
R: Kann Oberkörper selbstständig waschen
Ausformulierte Pflegediagnose
Selbstversorgungsdefizit im Bereich Körperpflege aufgrund eingeschränkter Beweglichkeit nach Hüftoperation, erkennbar an Hilfebedarf beim Waschen der Beine und beim Ankleiden. Frau Lange kann den Oberkörper selbstständig waschen.
Beispiel 5: Risiko für Sturz
Fallsituation
Herr König ist nachts häufig unruhig.
Er steht ohne Hilfe auf, obwohl er gangunsicher ist.
Tagsüber nutzt er mit Erinnerung einen Rollator.
PESR
P: Risiko für Sturz
E: Gangunsicherheit und nächtliche Unruhe
S: Steht nachts ohne Hilfe auf, unsicheres Gangbild
R: Nutzt tagsüber mit Erinnerung den Rollator
Ausformulierte Pflegediagnose
Risiko für Sturz aufgrund von Gangunsicherheit und nächtlicher Unruhe, erkennbar an selbstständigem Aufstehen ohne Hilfe und unsicherem Gangbild. Herr König nutzt tagsüber mit Erinnerung den Rollator.
Beispiel 6: Angst bei Atemnot
Fallsituation
Frau Neumann bekommt bei einem Asthmaanfall starke Atemnot.
Sie wirkt panisch, spricht nur kurze Sätze und hält sich am Bett fest.
Mit ruhiger Anleitung kann sie ihre Atmung etwas kontrollieren.
PESR
P: Angst
E: Akute Atemnot bei Asthma
S: Panik, Unruhe, kurze Sätze, Festhalten am Bett
R: Kann mit ruhiger Anleitung Atmung teilweise kontrollieren
Ausformulierte Pflegediagnose
Angst aufgrund akuter Atemnot bei Asthma, erkennbar an Panik, Unruhe, kurzen Sätzen und Festhalten am Bett. Mit ruhiger Anleitung kann Frau Neumann ihre Atmung teilweise kontrollieren.
Beispiel 7: Ineffektive Atemwegsreinigung
Fallsituation
Herr Ali hat zähes Bronchialsekret.
Er hustet häufig, kann das Sekret aber nur schwer abhusten.
Er nimmt eine atemerleichternde Sitzposition ein.
PESR
P: Ineffektive Atemwegsreinigung
E: Zähes Bronchialsekret
S: Häufiger Husten, erschwerte Expektoration
R: Kann atemerleichternde Sitzposition einnehmen
Ausformulierte Pflegediagnose
Ineffektive Atemwegsreinigung aufgrund von zähem Bronchialsekret, erkennbar an häufigem Husten und erschwerter Expektoration. Herr Ali kann eine atemerleichternde Sitzposition einnehmen.
Beispiel 8: Risiko für Aspiration
Fallsituation
Frau Keller hatte einen Schlaganfall.
Beim Trinken hustet sie wiederholt.
Sie kann Anweisungen verstehen und langsam trinken, wenn sie begleitet wird.
PESR
P: Risiko für Aspiration
E: Mögliche Schluckstörung nach Schlaganfall
S: Husten beim Trinken, unsicheres Schlucken
R: Kann Anweisungen verstehen und langsam trinken
Ausformulierte Pflegediagnose
Risiko für Aspiration aufgrund einer möglichen Schluckstörung nach Schlaganfall, erkennbar an Husten beim Trinken und unsicherem Schlucken. Frau Keller kann Anweisungen verstehen und langsam trinken.
Häufige Fehler bei PESR
Fehler 1: Medizinische Diagnose als Problem
Falsch:
COPD aufgrund von Rauchen
Richtig:
Beeinträchtigte Atmung aufgrund eingeschränkter Lungenfunktion bei COPD
Fehler 2: Symptom als Problem
Falsch:
Atemnot aufgrund COPD
Richtig:
Beeinträchtigte Atmung aufgrund COPD, erkennbar an Atemnot
Fehler 3: Ressource vergessen
Eine Pflegediagnose sollte nicht nur Defizite beschreiben.
Ressourcen zeigen, worauf Pflege aufbauen kann.
Fehler 4: Ursache und Symptom vertauschen
Beispiel:
Hilfebedarf beim Aufstehen ist ein Symptom.
Schmerzen nach Operation können eine Ursache sein.
Mini-Quiz
Welche Formulierung ist am besten?
A) Patient hat COPD.
B) Patient hat Atemnot.
C) Beeinträchtigte Atmung aufgrund COPD, erkennbar an Dyspnoe bei Belastung.
D) Patient ist krank.
Lösung
✅ C) Beeinträchtigte Atmung aufgrund COPD, erkennbar an Dyspnoe bei Belastung.
Prüfungs-Tipp
In Prüfungen zählt nicht nur der richtige Fachbegriff.
Wichtig ist, dass deine Pflegediagnose logisch aufgebaut ist.
Frage dich immer:
- Was ist das Pflegeproblem?
- Warum besteht es?
- Woran erkenne ich es?
- Was kann die Person noch selbst?
Zusammenfassung
Das PESR-Schema macht Pflegediagnosen nachvollziehbar und prüfungssicher.
Es verbindet Pflegeproblem, Ursache, Symptome und Ressourcen.
Wer PESR sicher anwenden kann, formuliert Pflegeprobleme deutlich professioneller und kann Pflegeplanung besser begründen.
Merksatz
PESR bedeutet: Problem erkennen, Ursache begründen, Symptome belegen, Ressourcen nutzen.